intimität neu erleben

Slow Sex: Was ist das und wie funktioniert die langsame Sex-Technik?

  • Veröffentlicht: 02.04.2023
  • 09:00 Uhr

Oft ist das einzige Ziel von Sex der Orgasmus durch klassische Penetration. Doch das setzt nicht nur Frauen unter Druck. Es ist, als würde man auf etwas hinschuften, obwohl sich doch gerade Sex  nicht wie Arbeit anfühlen sollte. Eine andere Möglichkeit, um Nähe und Sexualität neu zu erleben, ist Slow Sex.

Was ist Slow Sex?

Klar, wörtlich übersetzt bedeutet Slow Sex "langsamer Sex". Aber ist es wirklich genau das? Nein. Bei dieser Methode kann es genauso langsam wie auch schnell zugehen. Langsamkeit wird in diesem Kontext vor allem als Synonym für Bewusstheit und Achtsamkeit verwendet. Denn im Fokus der von der Tantra-Expertin Diana Richardson geprägten Methode steht, sich Zeit zu nehmen und ganz bewusst zu spüren - den eigenen Körper, die gegenseitigen Berührungen und die Gefühle, die sie auslösen. Die Partner:innen öffnen sich und sind sich auf eine neue, tiefgehende Weise nah. Es ist demnach mehr als eine Sexualpraktik.

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Warum du Slow Sex eine Chance geben solltest

Bei Slow Sex geht darum, gewohnte Muster und Erwartungen zu verlernen, um Leistungsdruck und Frust im Bett zu vermeiden. Gleichzeitig soll die Praktik neue sexuelle Erfahrungen ermöglichen. Dadurch kannst du Intimität, Nähe und Zuneigung in deiner Beziehung verändern und stärken. Das kann sich wiederum positiv auf euer gesamtes gemeinsames Leben auswirken.

Durch die Absichtslosigkeit beim Slow Sex ist es außerdem leichter, dich auf das zu konzentrieren, was gerade passiert. Dadurch kannst du nicht nur eine andere Art der Sinneswahrnehmung kreieren, sondern auch präsenter im Moment sein, was Stress lösen und dich tief entspannen kann.

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Für wen eignet sich Slow Sex?

Slow Sex eignet sich für alle, die ihre Lust sowie Nähe und Intimität zueinander neu erleben wollen. Aber ebenso diejenigen, die einfach etwas Neues ausprobieren möchten. Ob Paar, Frau oder Mann: Jede:r profitiert davon, Sex langsam, bewusst und in neuer Form zu testen, um mehr über sich selbst und die Beziehung zueinander zu erfahren. Egal, wie lange ihr euch schon ein Bett teilt. Intimität und Verbundenheit können schließlich nie genug verstärkt werden.

Ist Slow Sex langweilig?

Auch wenn es alles andere als aufregend klingen mag, muss Slow Sex überhaupt nicht langweilig sein. Im Gegenteil, wahrscheinlich ist diese Art von Sex sogar intensiver als jede deiner bisherigen Erfahrungen. Allein deshalb, weil du viel mehr wahrnimmst - vorausgesetzt, du lässt dich drauf ein. Denn diese Nähe ohne Ziel und die geforderte Entspannung und Achtsamkeit können am Anfang ungewohnt sein.

Anleitung: So funktioniert Slow Sex

Die große Frage, die sich jetzt stellt: Wie funktioniert Slow Sex? Zunächst einmal ist es wichtig, dass ihr euch entspannt. Vielleicht startet ihr mit einer kleinen Entspannungsübung oder ein paar tiefen Atmenzügen. Dann geht es in die nächste Phase: das Aufwärmen. Legt euch nackt miteinander ins Bett und berührt euch sanft, ohne Stimulation. Schaut euch in die Augen und sprecht aus, was ihr aneinander mögt und was sich gerade gut anfühlt. Die achtsame Berührung ist in diesem Moment alles, worum es geht.

In der nächsten Phase des Slow Sex, der Vereinigungsphase, verbindet ihr euch zärtlich und achtsam miteinander, beispielsweise in der Löffelchenstellung oder ganz klassisch in der Missionarsstellung. Dabei kann eingedrungen werden. Diese Art der Berührung wird auch weiche Penetration genannt und geht ohne oder mit Erektion. Ihr wartet gegenseitig auf die Impulse eures Gegenübers. Die Langsamkeit dabei hilft euch, darauf achten zu können, was euer Gegenüber möchte und gleichzeitig deutlich die Empfindungen in euren Geschlechtsteilen wahrzunehmen. Am Ende dürft ihr euch noch Zeit zum Ausklingen nehmen, also euch bedanken und bewusst verabschieden.

Voraussetzungen - Darauf solltest du beim Slow Sex achten

Was ist beim Slow Sex zu beachten? Das erste Mal "langsamer Sex" kann neu und ungewohnt sein. Deshalb ist die wichtigste Voraussetzung: Seid offen und lasst euch darauf ein. Das Schöne ist ja, dass ihr nichts falsch machen könnt. Denn euer Slow Sex ist genau so richtig, wie ihr ihn gestaltet. Noch einmal: Im Fokus stehen Berührung, Nähe und Bedürfnisse. Ihr entscheidet, was ihr wollt und was nicht.

Das führt zu einer weiteren Voraussetzung: offene Kommunikation. Sprecht davor, währenddessen und danach darüber. Was wünscht ihr euch, was gefällt euch und was nicht, was fällt euch schwer, was nehmt ihr wahr? Es ist eine neue Erfahrung, die ihr gemeinsam macht, also tauscht euch aus. So findet ihr eure Art und Weise des Slow Sex und kommt euch allein schon über die Kommunikation näher.

Außerdem solltet ihr ausreichend Zeit einplanen. Auch wenn Slow Sex nicht unbedingt langsam sein muss, geht es trotzdem darum, Stress und Druck herauszunehmen und Raum für achtsames und bewusstes Erleben zu schaffen. Es gilt, jegliche Störfaktoren wie etwa Handys oder die Wohnungsklingel, abzustellen.

Höhepunkt beim Slow Sex

Frauen spielen Orgasmen vor, wenn sie unter Druck stehen, und Männer fühlen sich verpflichtet, eine Erregung präsentieren und zum "Abschluss" kommen zu müssen. Beim Slowsex sollen diese Erwartungen durchbrochen werden. Deshalb ist ein Höhepunkt oder Orgasmus nicht das primäre Ziel von Slow Sex. Trotzdem kannst du natürlich Erregung und Lust spüren. Das passiert oft automatisch, wenn du einen Menschen attraktiv findest, berührst, ihm oder ihr nahe kommst und gleichzeitig berührt wirst. Ein Orgasmus kann ein schönes Ergebnis von Slow Sex sein, wird aber zu keinem Zeitpunkt forciert. Ihr beendet den Sex dann, wenn es sich richtig für euch anfühlt, und nicht dann, wenn ihr beide gekommen seid.

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Slow Sex vs. normaler Sex - Was ist anders?

Wie bereits erwähnt, heißt das Ziel beim Slow Sex im Gegensatz zum "normalen" Sex nicht Orgasmus. Slow Sex ist eher als Hingabe statt als Hinarbeiten zu verstehen. Das bewusste Wahrnehmen, das Fallenlassen und das aktive Fühlen stehen im Mittelpunkt. Ihr lernt gemeinsam sowohl den Körper der Frau als auch den Körper des Mannes besser kennen.

Dabei helfen kuscheln, Augenkontakt, Kommunikation, Langsamkeit und weiche Penetration. Übrigens könnt ihr trotzdem zum Orgasmus kommen, aber auf eine andere Weise und möglicherweise sogar intensiver als je zuvor, weil ihr wesentlich entspannter und präsenter seid. 

Was löst Slow Sex aus?

Bei dieser Art Slow Sexualität wird das Hormon Oxytocin im Körper ausgeschüttet, das eure Bindung zueinander stärkt. Es unterstützt euch dabei, die körperliche Nähe intensiver wahrzunehmen und entspannt zu bleiben, ganz ohne Orgasmuszwang. Vielleicht empfindet ihr als Paar währenddessen oder danach eine andere, stärkere Liebe füreinander, weil Slow Sex auch die emotionale Nähe zueinander verstärkt. 

Slow Sex kann als ein Raum betrachtet und genutzt werden, in dem ihr für einen Moment gemeinsam aus eurem Alltag aussteigt und euch ganz eurer Beziehung zueinander widmet. Ihr verbringt einen sehr bewussten Moment miteinander, genießt, kümmert euch gut um euch selbst und euer Gegenüber. Diese Art der Begegnung kann ein heilsamer Schritt für eure Beziehung sein, gerade in Zeiten von Krisen, Veränderung und Entfremdung. 

Die besten Slow-Sex-Stellungen

Wenn ihr euch in der Aufwärmphase gemeinsam nackt ins Bett legt, könnt ihr euch nah sein, solltet aber behutsam mit Berührungen sein. Es geht primär um Entspannung und nicht um Erregung wie beim "schnellen" Sex. Ihr dürft also gerne eine neue Lieblingstellung für euch finden.

Als Paar wisst ihr wahrscheinlich, was ihr tun müsst, um euer Gegenüber zu erregen. Genau darauf solltet ihr jetzt verzichten. Entdeckt auch eine neue Art der Berührung, beispielsweise mit Streicheleinheiten oder dem Berühren der Genitalien ohne Stimulation.

In der Vereinigungsphase eignen sich laut Slow-Sex-Expertin Yella Cremer vor allem die Löffelchen- und Scherenstellung, um euch miteinander zu verbinden. Der Penis kann durchaus in die Vagina eindringen, auch ohne Erektion und ohne Stoßen oder andere "harte", schnelle Bewegungen.

Slow-Sex-Tipps zum mitschreiben

  1. "Slow Sex ist eine Haltung und keine Technik!", sagt die Slow-Sex-Expertin Yella Cremer im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Natürlich ist es gut und hilfreich, ein paar Techniken zu kennen, um den Partner und die Partnerin befriedigen zu können. Doch es kann genauso schön sein, alle Techniken und Tricks beiseitezulassen. Stattdessen nimmst du eine offene Haltung ein und lässt dich auf wahrhaftige Begegnung ein. Wahrhaftige Begegnung im Sinn von Augenkontakt und achtsamen Berührungen. Wie wäre es mal wieder mit einem intensiven Zungenkuss? Wir geben ein paar Tipps, wie er perfekt gelingt.
  2. Nicht nur die eigene Einstellung, sondern auch die eigene Entspannung tragen zu einer Atmosphäre bei, in der Slow Sex stattfinden kann. Diese Entspannung kann in der Aufwärmphase entstehen, aber auch schon vorher herbeigeführt werden, indem ihr eine kleine Meditation oder Atemübung macht.
  3. Ein weiterer Tipp ist die absolute Absichtslosigkeit. Der Sex ist sozusagen ergebnisoffen. Wenn es eine Erwartung gibt, dann sollte diese eher "eine entspannte Vereinigung" sein statt eines heißen Abenteuers. Slow-Sex-Expert:innen empfehlen einen Test während des Sex, um die Absichtslosigkeit zu überprüfen: Stellt euch die Frage, ob ihr jetzt in diesem Moment aufhören könntet und trotzdem zufrieden wärt. Wenn die Antwort nein lautet, steckt vermutlich doch eine Absicht dahinter. Davon solltet ihr euch lösen.
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