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Plan B für den notfall

Pille danach: Das musst du bei der Notfallverhütung beachten

  • Aktualisiert: 09.01.2023
  • 12:39

Kondom gerissen, Pille vergessen oder aufgrund einer Magen-Darm-Erkrankung unwirksam: Man kann noch so sorgfältig verhüten, aber es gibt dennoch Situationen, in denen man auf einen Plan B angewiesen ist, um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. 2021 wurden rund 875.000 Notfallverhütungsmittel in deutschen Apotheken ausgegeben. Hier erfährst du, wie die Pille danach funktioniert, welche Nebenwirkungen sie haben kann – und warum sie sich nicht (!) zur regelmäßigen Verhütung eignet.

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Wie funktioniert die Pille danach?

Männliche Samenzellen können bis zu fünf Tage in der Gebärmutter und in den Eileitern überleben. Kommt es in dieser Zeit zum Eisprung, kann die Frau schwanger werden. Genau diesem Fall wirkt die Pille danach entgegen, indem sie den Eisprung um mindestens fünf Tage verzögert, so dass eine Befruchtung der Eizelle nicht mehr möglich ist. Je nach Präparat kann das Medikament den Eisprung sogar dann noch verschieben, wenn er kurz bevorsteht (ein bis zwei Tage zuvor).

Fakt ist aber auch, dass die Pille danach eine Schwangerschaft nicht verhindern kann, wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat. Denn auch wenn die beiden oft verwechselt werden: Die Pille danach hat nichts mit der Abbruchpille, auch Abtreibungspille genannt, zu tun. Diese bekommt man nicht in der Apotheke, sondern ausschließlich in Kliniken, Praxen oder Behandlungszentren, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen.

Bei bereits erfolgtem Eisprung bietet sich die Spirale danach an: Das ist dieselbe Kupferspirale, die häufig zur hormonfreien Verhütung verwendet wird. Sie muss bis spätestens fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr von einem Frauenarzt oder einer Frauenärztin in die Gebärmutter eingesetzt werden. Das meist T-förmige Stäbchen sorgt dafür, dass sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutterschleimhaut einnistet. Im Anschluss kann die Spirale zur Verhütung drei bis fünf Jahre eingesetzt bleiben – und schützt dann mit hohem Pearl-Index (0,3-0,8) sehr zuverlässig vor einer Schwangerschaft.

Die Pille danach basiert entweder auf dem Wirkstoff Levonorgestrel (bekanntestes Präparat: PiDaNa) oder auf Ulipristalacetat (bekanntestes Präparat: EllaOne). PiDaNa verhindert den Anstieg des Hormons Lutropin, welches sonst den Eisprung auslösen würde. Das Medikament EllaOne hemmt das Hormon Progesteron und verzögert dadurch den Eisprung.

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Wann muss man die Pille danach spätestens einnehmen?

So schnell wie möglich! Im Idealfall sollte man die Pille danach innerhalb von zwölf Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen. Denn je früher sie eingenommen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Eisprung noch nicht stattgefunden hat und verschoben werden kann. Gerade in den zwei Tagen vor dem Einsprung – die Zeit, in der das Schwangerschaftsrisiko am höchsten ist – zählt jede Stunde. Eine Frau, die von der Notfall-Verhütung Gebrauch machen will, muss also wissen, in welcher Phase ihres Zyklus sie sich gerade befindet. Hat der Eisprung bereits stattgefunden, funktioniert die Pille danach wie gesagt nicht mehr. Ein Zykluskalender hilft beim Tracken, digitale Unterstützung gibt’s von Apps wie "Clue" (kostenlos). Ulipristalacetat wirkt theoretisch bis zu fünf Tage nach der Verhütungspanne, Levonorgestrel noch etwa drei Tage danach.

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Was sind die Nebenwirkungen der Pille danach?

Als Nebenwirkungen werden Kopfschmerzen, spannende Brüste und Bauchschmerzen genannt. Und auch Zwischenblutungen können auftreten. Damit die Pille danach nicht buchstäblich auf den Magen schlägt, empfiehlt es sich, vor der Einnahme eine Kleinigkeit zu essen. Es kann durchaus sein, dass sich die Periode um zwei, drei Tage nach vorn oder hinten verschiebt. Wenn die Tage länger als eine Woche ausbleiben, die Blutung deutlich schwächer oder stärker ist als gewöhnlich, sollte man sich in einer gynäkologischen Praxis untersuchen und beraten lassen. Falls man nach der Einnahme gar nichts merkt, bedeutet das nicht, dass die Pille danach nicht wirkt: Viele Frauen verspüren keinerlei Nebenwirkungen.

Wie und wo bekommt man die Pille danach – und was kostet sie?

Seit 2015 ist die Pille danach rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Je nach Präparat bezahlt man zwischen 15 und 35 Euro. Bis zum 22. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse die Kosten, vorausgesetzt die Pille danach wurde von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben. Ab dem 18. und bis zum 22. Geburtstag ist die gesetzliche Zuzahlung fällig.

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Tipp für den Notfall: Schau im Internet nach, welche Apotheke in deiner Nähe gerade Notdienst hat. So verlierst du keine Zeit und bekommst auch nachts oder sonntags schnellstmöglich die Pille danach. In der Regel wirst du in der Apotheke auch zur Einnahme und zu potenziellen Nebenwirkungen beraten. Und vielleicht begleitet dich auch dein Sexpartner, denn schließlich ist das Missgeschick euch beiden widerfahren.

Wie muss man nach der Pille danach verhüten?

Vorsicht: Die Pille danach bietet keinen Schutz für den restlichen Zyklus! Wer etwa mit der Antibabypille verhütet, nimmt diese trotz Pille danach ganz normal weiter ein. Zusätzlich sollte mindestens 14 Tage lang mit Kondomen verhütet werden. Passiert in dieser Zeit ein neuer Unfall, muss eine weitere Pille danach eingenommen werden. Und das gilt auch, wenn innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme Erbrechen oder Durchfall auftreten – denn dann hat der Körper die Wirkstoffe möglicherweise noch nicht vollständig aufgenommen.

Wie oft darf man die Pille danach einnehmen?

Bei der Nutzung von Kondomen ist nicht ausgeschlossen, dass sich binnen weniger Tage oder Wochen mehrere Sex-Pannen ereignen. Allerdings liegt das oft an der falschen Kondomgröße – daher unbedingt checken! Im Fall einer solchen "Pechsträhne" kann die Pille danach mehrmals angewendet werden. Aber: Sie ist ein Notfall-Präparat – und nicht als Dauer-Verhütung geeignet! Expert:innen raten von einer regelmäßigen Einnahme ab, weil man sich dadurch immer wieder großem hormonellen Einfluss aussetzen würde, mehr noch als durch die Pille. Hinzukommen die nicht unerheblichen Kosten – und vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt die Pille danach "natürlich" auch nicht. Die Faustregel: Wer mehr als zweimal pro Jahr die Pille danach nehmen muss, sollte über einen Wechsel der Verhütungsmethode nachdenken. Frauenarzt:innen können dabei ausführlich beraten - zu hormoneller oder hormonfreier Verhütung.

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