Nie Lust auf Sex?

Asexualität: Was bedeutet es, keine sexuelle Anziehung zu empfinden?

  • Veröffentlicht: 28.09.2023
  • 09:00 Uhr
Asexualität: Wir erklären, warum es so wichtig ist, sie nicht als sexuelle Störung zu definieren und was es bedeutet, nur unter ganz bestimmten Umständen Lust zu empfinden. 
Asexualität: Wir erklären, warum es so wichtig ist, sie nicht als sexuelle Störung zu definieren und was es bedeutet, nur unter ganz bestimmten Umständen Lust zu empfinden. © stock.adobe.com

Was bedeutet es eigentlich, asexuell zu sein? Alles über die verschiedenen Arten der Asexualität und an welchen Anzeichen du diese sexuelle Orientierung erkennst.

Asexuell: Was bedeutet es?

Über kaum eine andere sexuelle Orientierung gibt es wohl so viele Missverständnisse, wie über die Asexualität. Das könnte daran liegen, dass sich geschätzt gerade mal ein Prozent der Weltbevölkerung als asexuell identifiziert - übrigens mehr Frauen als Männer. Was also ist Asexualität? Kurz gesagt: Wer keine oder kaum sexuelle Anziehung gegenüber anderen Menschen (egal welchen Geschlechts und welcher sexuellen Orientierung) empfindet, ist asexuell. Das heißt aber nicht, dass Sexualität gar keine Rolle im Leben von Asexuellen spielt. Manche masturbieren, andere haben nur unter ganz bestimmten Umständen Sex, oder aber sie leben Intimität auf ganz andere Weise. Ganz wichtig auch: Asexualität ist keine Störung oder Krankheit, da sie bei denjenigen, die sich als asexuell identifizieren, kein Leiden auslöst.

Im Clip: Kein Interesse an Sex - wie erkennt man Asexualität?

Welche Arten der Asexualität gibt es?

Die weltgrößte Gemeinschaft von Asexuellen ist Aven. Das steht für: Asexual Visibility and Education Network. Laut Aven kann man eine asexuelle Orientierung in ihren verschiedenen Ausprägungen unterscheiden:

Typ A

Dass Asexuelle keine Lust empfinden, ist nicht grundsätzlich so. Manche haben zum Beispiel Lust auf Sex mit sich selbst oder sie fühlen sexuelle Erregung, haben aber kein Bedürfnis diese auch auszuleben.

Typ B

Die meisten Asexuellen fühlen keine oder kaum sexuelle Anziehung zu anderen Menschen. Viele haben aber trotzdem das Bedürfnis nach festen Bindungen, weil sie sich emotional zu anderen Menschen hingezogen fühlen. Für diejenigen, bei denen auch das keine Rolle spielt, sind Freundschaften oder platonische Liebe dafür umso wichtiger, die quasi an die Stelle von Liebesbeziehungen treten.

Typ C

Manche haben beides: kein sexuelles Verlangen und kein Bedürfnis, eine partnerschaftliche Beziehung zu führen. Trotzdem können diese Asexuellen auch enge Freundschaften führen.

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Diese 7 Anzeichen sprechen für Asexualität

Vielleicht wunderst du dich selbst darüber, dass du schon länger keine Lust mehr hast und fragst dich, ob das noch eine Phase oder schon mehr ist. Vielleicht machst du dir aber auch Sorgen, warum dein:e Partner:in kein Interesse mehr hat: Will er sich trennen? Ist es Asexualität? Diese zu erkennen, ist nicht immer ganz einfach, aber es gibt Anzeichen, die dafür sprechen könnten:

  1. Ganz klar: Das eindeutigste Anzeichen für Asexualität ist, dass man keine oder nur ganz wenig Lust auf Sex mit anderen Menschen oder auch mit sich selbst empfindet - und zwar nicht nur für einen abgegrenzten Zeitraum, sondern langfristig.
  2. Körperlichkeit? Nein, danke! Vielleicht findet man sogar Umarmungen oder Küsse schon zu viel. Auch das kann ein Hinweis auf Asexualität sein.
  3. Wenn andere etwa über Sex reden, können Asexuelle nur schwer nachvollziehen, was genau daran jetzt toll sein soll. Vielleicht ekelt man sich gedanklich sogar davor.
  4. Während Flauten im Bett oft zu Frust führen, sind Asexuelle völlig zufrieden damit, keinen oder nur sehr wenig Geschlechtsverkehr zu haben. In dieser Hinsicht fehlt es ihnen an nichts.
  5. Da Asexualität eine Orientierung ist, identifizieren sich Asexuelle nicht als hetero-, homo-, pan- oder bisexuell.
  6. Andere Menschen attraktiv finden tun Asexuelle auch - nur löst das bei ihnen nicht das Verlangen aus, mit dem Gegenüber schlafen zu wollen.
  7. Es kann sein, dass man unbewusst versucht, enge Beziehungen zu anderen zu vermeiden, um gar nicht erst in die Situation zu kommen, erklären zu müssen, warum sich nicht mehr ergibt.

Was sind Ursachen für Asexualität?

Früher hat man angenommen, dass Asexualität eine Folge zum Beispiel von Depression, (sexuellen) Traumata oder einer unterdrückten Orientierung (etwa: Homosexualität) sei. Ganz genau weiß die Wissenschaft auch heute nicht, warum Menschen wenig bis gar kein Verlangen nach Sex haben. Auf jeden Fall ist es keine körperliche Einschränkung oder Krankheit, denn organisch wären Asexuelle durchaus in der Lage, Sex zu haben. Sie wollen nur eben nicht. Hormone sind übrigens auch nicht der Grund. Die gängigste Annahme ist, dass es sich dabei schlichtweg um eine Ausprägung menschlicher Sexualität handelt. Dafür, dass Menschen homo- oder heterosexuell sind, gibt es schließlich auch keinen Grund. Es ist einfach so! Das Pendant zu Asexualität ist übrigens Hypersexualität, bei der Menschen ein übertriebenes Verlangen nach Geschlechtsverkehr haben. Achtung: Bitte Asexualität nicht mit Abstinenz verwechseln! Da geht es nämlich um bewussten Verzicht auf Sex.

Was mögen Asexuelle?

Wenn du herausfinden möchtest, worauf dein Gegenüber steht, was ihn oder sie heiß macht oder abturnt, gibt es nur einen zuverlässigen Weg, das herauszufinden: fragen! Asexualität gibt es in vielen individuellen Ausprägungen. Und vielleicht bekommt man als Antwort auf die Frage, worauf das Gegenüber steht, auch nur ein simples "Auf gar nichts!".

Asexualität bei Männern und bei Frauen

Wie sich Asexualität äußern kann, wissen wir jetzt. Aber wie gehen asexuelle Menschen mit ihrer Orientierung um? Gibt es da einen Unterschied zwischen den Geschlechtern?

So viel lässt sich jedenfalls sagen: Auf Männern lastet gesellschaftlich ein riesiger Druck, im Bett zu performen. Wer es Frauen "nicht besorgen kann" wird schnell als "kein richtiger Kerl" abgestempelt. Männer "wollen und können" schließlich immer! Gut möglich also, dass es Männern nochmal deutlich schwerer fällt, sich ihre Asexualität einzugestehen.

Es gibt mehr asexuelle Frauen als Männer, was aber nicht bedeutet, dass Frauen es grundsätzlicher einfacher mit ihrer Orientierung haben. Schließlich sind Frauen biologisch betrachtet vor allem dafür da, um Kinder zu bekommen - und dafür muss man bekanntermaßen Geschlechtsverkehr haben. Outen Frauen sich als asexuell, kann die Sorge davor, für das Gegenüber komplett uninteressant und unattraktiv zu werden, sehr groß sein. Das mag zwar auf einer sexuellen Ebene für die Asexuelle nicht das Problem sein, aber auf einer emotionalen Ebene dann schon.

Können Asexuelle eine Beziehung führen?

Wenn zwei Asexuelle aufeinandertreffen, dann haben sie wohl den Jackpot getroffen: Niemand hat Lust auf Sex, beide wollen aber zusammen sein. Großartig! Kompliziert wird es jedoch, wenn nur ein Teil der Partnerschaft asexuell ist. Es kann natürlich auch durchaus sein, dass man das erst im Laufe einer Beziehung feststellt, denn die Realisation, dass man keine Libido hat, ist häufig auch ein schleichender Prozess. Trotzdem ist es nicht unmöglich, eine gesunde und glückliche Partnerschaft zu führen, nur weil nicht beide Partner die gleiche sexuelle Orientierung haben.

Dabei ist es aber unabdingbar, dass auf beiden Seiten sehr viel Akzeptanz und Verständnis aufgebracht werden kann - und dafür muss man reden, reden, reden. Kann es einen Kompromiss geben, mit dem beide zufrieden sind, damit die Beziehung weiter bestehen kann? Das kann man in etwa in einer Paartherapie erarbeiten. Vielleicht ist es für den Asexuellen okay, hin und wieder mit dem Partner oder der Partnerin zu schlafen? Oder es wäre für beide in Ordnung, eine offene Beziehung zu führen.

Asexuell vs. Pansexuell: Zwei Extreme und wie sie sich zueinander verhalten

Im Griechischen steht der Begriff "Pan" für "alles" oder "umfassend". Pansexualität meint also die sexuelle Orientierung, bei der man nicht von einem bestimmten, sondern sich von allen Geschlechtern sexuell angezogen fühlen kann. Pansexuelle können sich also Sex und Beziehungen mit allen Menschen vorstellen - egal, ob diese sich als queer, transgender, hetero oder intergender identifizieren. Pansexualität wird oft mit Bisexualität gleichgesetzt. Bisexuelle fühlen sich in der Regel aber zu zwei Geschlechtern hingezogen. "Bi" steht nämlich für zwei. Vor allem sind Pansexuelle aber nicht polyamorös, denn das wiederum bedeutet, dass man Sex oder Beziehungen mit mehreren Menschen parallel hat.

Die große Frage ist: Wie stehen Pan- und Asexuelle zueinander? Wahrscheinlich ist das wie immer in zwischenmenschlichen Beziehungen: sehr individuell. Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, dass sich ein Pansexueller zu einem Asexuellen hingezogen fühlt. Es könnte auch sein, dass ein Asexueller ein emotionales Interesse an einer pansexuellen Person hat - mehr aber höchstwahrscheinlich nicht. In jedem Fall ist eine Verbindung dieser Art nicht gerade die einfachste. Aber welche Beziehung ist das schon?!

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