Sexuelle Orientierungen

Allosexualität: Was bedeutet das? Bin ich allosexuell?

  • Veröffentlicht: 18.07.2023
  • 09:00 Uhr
Kennst du den Begriff Allosexualität? Was genau mit dieser Form der sexuellen Orientierung gemeint ist, erklären wir dir hier.
Kennst du den Begriff Allosexualität? Was genau mit dieser Form der sexuellen Orientierung gemeint ist, erklären wir dir hier.© Marius V/peopleimages.com - stock.adobe.com

Allosexuelle Menschen fühlen sich zu anderen Menschen sexuell hingezogen. Klingt normal - warum braucht man dafür einen Begriff? Wir erklären es. Plus: Warum Allosexualität als Gegenbegriff zur Asexualität und zur Unterstützung der sexuellen Vielfalt eine wichtige Rolle spielt.

Was ist Allosexualität?

Allosexualität ist noch ein vergleichsweise neuer Begriff. Als allosexuell können sich Menschen selbst bezeichnen, die sich nicht als asexuell empfinden. Allosexuelle Menschen fühlen sich generell zu anderen Menschen sexuell hingezogen. Homo, bi, hetero - welche sexuelle Orientierung sie haben, spielt keine Rolle.

Als allosexueller Mensch empfindest du also Lust auf Sex - im Gegensatz zu asexuellen Menschen, die sich von anderen Menschen kaum oder gar nicht sexuell angezogen fühlen. Allosexuelle Menschen können aber auch keinen Sex haben - und trotzdem allosexuell fühlen. Genauso wie asexuelle Menschen auch Sex haben können. Es geht bei Allosexualität also nicht um sexuelle Aktivität - sondern um die Begierde an sich. Kurz gesagt: Auch ohne Sex kannst du allosexuell sein.

Für Allosexualität gibt es auch eine Pride Flag. Die Flagge besteht aus mehreren Streifen in weißer, grauer und schwarzer Farbe. Pride Flags gelten als Symbole der Zugehörigkeit, Vielfalt und Toleranz und setzen Zeichen gegen Diskriminierung.

Im Clip: Sexuelle Befreiung in der Partnerschaft - Killer oder Booster?

Woher stammt der Begriff?

Allosexualität ist also als Gegenbegriff zur Asexualität eingeführt worden. Der Hintergrund: So soll sich die Offenheit gegenüber sexueller Vielfalt erhöhen. Dass Menschen sexuelle Anziehung empfinden, gilt oft als Norm. Wer asexuell empfindet, fühlt sich daher teils als ungenügend. Damit werden asexuelle Menschen leichter stimatisiert und als "unnormal" eingestuft. Das ist verletzend. Wenn es einen Begriff für Menschen gibt, die keine sexuelle Anziehung empfinden - dann muss es fairerweise auch einen Begriff geben für Menschen, die sexuelle Anziehung empfinden. Antidiskriminierung ist also eine Idee hinter der Bezeichnung Allosexualität. Allosexualität ist als Begriff wichtig, damit Menschen unvoreingenommen ins Gespräch kommen können.

Unterscheidung allosexuell und nicht-asexuell: Beides sind Synonyme. Der Begriff "nicht-asexuell" gilt als überholt. Denn er schließt grausexuelle Menschen aus, die etwa unter bestimmten Umständen Lust oder keine Lust auf Sex haben.

Unterscheidung allosexuell und sexuell: Könnte es nicht einfach "sexuell" heißen anstatt "allosexuell"? Das wäre vereinfacht. Denn Allosexualität macht noch eine wichtige Unterscheidung: Auch ohne Sex zu haben, kann man sexuelle Anziehung empfinden.

Unterscheidung allosexuell und asexuell: Beide Begriffe sind genau das Gegenteil voneinander. Allosexualität beschreibt sexuelle Anziehung, Asexualität beschreibt die Abwesenheit von sexuellem Verlangen.

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Was bedeutet es, allosexuell zu sein?

Bei Allosexualität geht es nicht darum, zu wem du dich hingezogen fühlst oder welches Geschlecht du selbst hast. Entscheidender ist, ob überhaupt Menschen Lust auf Sex bei dir auslösen. Das ist der Fall? Dann kannst du dich wahrscheinlich als allosexuell bezeichnen.

Allosexuelle Menschen können jegliche sexuelle Orientierung aufweisen. Du kannst also allosexuell empfinden und zugleich beispielsweise schwul, lesbisch, bi, hetero, pan oder poly sein. Kurzum: Ob du auf Theys, Frauen oder Männer stehst, spielt keine Rolle.

  • Du fühlst dich sexuell von mindestens einem Geschlecht angezogen.
  • Deine Lust kann auch zu Sex führen.

Bin ich allosexuell?

Du bist gerade auf der Suche danach, welcher Begriff dich am besten beschreibt? Auf allosexuelle Menschen treffen oft folgende Aussagen zu:

  • Ich wollte schon eine Beziehung mit einer Person, weil ich sie sexuell anziehend fand.
  • Regelmäßig Sex haben? Das kann ich mir gut vorstellen - oder erlebe ich auch.
  • Manchmal schwelge ich in Sexträumen oder habe sexuelle Fantasien.
  • Ich möchte gerne Sex erleben.
  • Ich verknalle mich in Menschen, mit denen ich gerne ins Bett gehen würde.

Kann ich zwischen Allosexualität und Asexualität wechseln?

Das Empfinden und Erleben der eigenen Sexualität kann sich im Laufe der Zeit verändern - muss es aber nicht. So ist es möglich, dass du in einer Phase deines Lebens sexuelle Anziehung spürst und auch auslebst. In anderen Phasen aber eher keine erotische Lust empfindest. Tipp: Setze dich nicht unter Druck. Du bist nicht falsch, weil du auf eine bestimmte Art fühlst oder sich deine Sexualität verändert. Der Austausch mit anderen Menschen kann dich unterstützen und zeigen, wie vielfältig das sexuelle Spektrum ist.

Allosexualität in Beziehungen: Auf welches Geschlecht stehen allosexuelle Menschen?

Allosexualität sagt zunächst nur, dass du überhaupt Lust auf Sex spürst. Der Begriff ist unabhängig von Geschlechtern, auf die sich diese sexuelle Anziehung richtet. Das heißt: Du kannst lesbisch sein und zugleich allosexuell. Oder du stehst auf non-binäre Menschen - und bist zugleich allosexuell. Zudem kann es sein, dass du dich nur zu einem bestimmten Geschlecht hingezogen fühlst - oder auch zu mehreren.

Allosexualität ist auch unabhängig vom eigenen Geschlecht. Es ist egal, ob du unterschiedliche Geschlechtsidentiäten hast oder nur eine.

Sexuelle Orientierungen im Überblick

  • heterosexuell:  Wenn Frauen sich zu Männern hingezogen fühlen und Männer sich zu Frauen hingezogen fühlen.
  • homosexuell: Wenn Menschen sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen.
  • bisexuell: Bi - steht für zwei. Man fühlt sich also zu mehreren Geschlechtern hingezogen.
  • abrosexuell: Eine sich wechselnde sexuelle Orientierung. Auf wen man steht, ist im Fluss.
  • grausexuell: Menschen, die in eine Grauzone mit ihrer Sexualität fallen.
  • fraysexuell: Hingezogenheit besteht zu fremden/unbekannten Personen.
  • polysexuell: Wenn Personen sich zu mehreren Geschlechtern, aber nicht zu allen sexuell hingezogen fühlen.
  • demisexuell: Sex ist nur mit emotionaler Bindung möglich.
  • pansexuell: Hier spielt das Geschlecht in der Sexualität keine Rolle. Pansexuelle Menschen fühlen sich hingezogen zu einer anderen Person, unabhängig von deren Geschlecht oder Geschlechtsidentität.
  • gynosexuell: Frauen/weibliche Personen lösen sexuelle Anziehung aus.
  • semisexuell: Verlangen nach Sex taucht nur in bestimmten Lebensabschnitten auf.
  • omnisexuell: Alle Geschlechter üben sexuelle Anziehungskraft aus.
  • androsexuell: Männer/ Maskuline Personen wirken sexuell anziehend.
  • skoliosexuell: Wenn nicht-binäre Personen Begehren auslösen.

Kennst du diese Beziehungsformen?

Die Form der sexuell gelebten Liebe kann ganz unterschiedlich aussehen. Hier findest du einige Beispiele:

  • Monogamie: Hier steht die Entscheidung für Sex und Beziehung mit einer ausgewählten Person. Treue ist ein Merkmal dieser Beziehungsform.  
  • Polyamorie: Beschreibt die romantische Liebe zu mehreren Personen zugleich. Sie kann mit einer sexuellen Beziehung einhergehen - muss es aber nicht zwingend.
  • Polygamie: Diese Form beschreibt die Ehe mit mehr als zwei Menschen, auch Vielehe genannt. In Deutschland ist Polygamie verboten.
  • Minglegamie: Mingle setzt sich zusammen aus "mixed" und "single". Es beschreibt eine Beziehung, die auch Sex einschließen kann. Aber die Beziehung ist nicht verbindlich.

Coming-out mit Allosexualität

Ein Coming-out als allosexueller Mensch - das kann komisch klingen. Warum sollte man es zum Thema machen, dass man sich sexuell von Menschen angezogen fühlt? Wenn du selbst diese Bezeichnung für deine Sexualität wählst und dich als allosexuell definierst, drückst du darüber auch dein Allyship zu asexuellen Menschen aus. Das zeigt, dass du dich mit der Vielfalt von Sexualität auseinandersetzt und dieser Auseinandersetzung Ausdruck verleihst.

Du kannst dich auch mit der queeren Community verbinden und Austausch suchen. So bildest du dich selbst weiter in Sachen Toleranz und Anti-Diskriminierung - und kannst auch andere Menschen darin unterstützen.

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