Sexuelle Orientierungen

Abrosexuell: Was bedeutet eigentlich Abrosexualität?

  • Veröffentlicht: 11.07.2023
  • 09:00 Uhr
Abrosexualität: Wie sexuelle Orientierung sich im Laufe eines Lebens immer wieder ändern kann…
Abrosexualität: Wie sexuelle Orientierung sich im Laufe eines Lebens immer wieder ändern kann…© Adobe Stock // william87

Alles im Fluss, auch die Sexualität! Manche Menschen stehen ihr Leben lang auf Männer oder Frauen, bei anderen wechselt die sexuelle Orientierung fluide. Abrosexuelle Menschen können sich heute schwul oder lesbisch empfinden - und morgen wieder anders. Neugierig, mehr über diese Art des Liebens zu erfahren? Hier gibt's den Überblick.

Was ist Abrosexualität?

Wie Menschen lieben und zu wem sie sich sexuell hingezogen fühlen - darin gibt es eine große Vielfalt. Von abrosexuellen Menschen hast du bisher noch nichts gehört? Diese sexuelle Orientierung ist auch nicht so bekannt wie etwa Homosexualität oder Bisexualität. Ein wichtiges Merkmal von Abrosexualität: Auf wen abrosexuelle Menschen stehen, das kann sich stets wandeln. Die sexuellen und romantischen Vorlieben wechseln. Das kann nach einer jahrelangen Phase passieren. Oder es passiert ganz schnell - von einem auf den anderen Tag. Abrosexualität ist zeitlich nicht festgelegt. Abrosexuelle Menschen können wechselnd etwa als homosexuell, bisexuell, pansexuell oder asexuell fühlen.

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Die Flagge für Abrosexualität

Für jede sexuelle Orientierung gibt es auch eine Flagge mit bestimmten Farben. Hier haben wir alle Pride Flags der LGBTQ+-Community einmal für dich gelistet. Die Flaggen der queeren Bewegung symbolisieren Stolz, Zugehörigkeit und Vielfalt. Die Flagge für Abrosexualität besteht aus fünf Streifen, die horizontal angeordnet sind. Folgende Farben gehören dazu - von unten nach oben betrachtet:

  • Pink
  • Zartrosa
  • Weiß
  • Mintgrün
  • Grün

Woher stammt der Begriff?

Der Begriff Abrosexualität beschreibt die fließende Natur von Sexualität. Das Präfix "Abro" kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie "anmutig". Es ist mit Fluss und Bewegung assoziiert. Abrosexualität als Begriff ist noch relativ neu. Ungefähr seit 2013 taucht das Wort Abrosexualität in LGBTQI*-Foren auf, um die sich wandelnde sexuelle Identität zu beschreiben.

Was bedeutet es, abrosexuell zu sein?

So viel vorweg: Abrosexualität drückt sich unterschiedlich aus - je nach Individuum. Und ob sich jemand als abrosexuell empfindet, das entscheidet ohnehin jede:r für sich. Aber natürlich gibt es ein paar Merkmale, die Abrosexualität kennzeichnen. Diese sind im Folgenden aufgelistet - nicht als feste Regeln, sondern als Orientierungspunkte:

  • Oft wechseln abrosexuelle Menschen zwischen zwei oder drei sexuellen Identitäten.
  • Die Intensität der Anziehung kann schwanken.
  • Die sexuellen Phasen können sich wiederholen oder plötzlich und vereinzelt auftreten.
  • Die Phasen können ein Jahr, einen Tag oder einen Monat andauern. Alles ist möglich!

Test: Bin ich abrosexuell?

Treffen viele der folgenden Aussagen auf dich zu? Hier findest du mögliche Anhaltspunkt dafür, dass du dich als abrosexuell identifizieren könntest.

  • Ich fühle mich für längere oder kürzere Zeit zu einem Geschlecht hingezogen, das mich früher nicht so interessiert hat.
  • Zu wem ich mich sexuell hingezogen fühle, das wechselt.
  • Die sexuelle Anziehung zu einem bestimmten Geschlecht hat sich schon mindestens einmal komplett verändert.
  • Ich bin verwirrt, weil meine sexuelle Orientierung sich oft/ plötzlich wandelt.
  • Ich fühle mich irgendwie nicht einer bestimmten sexuellen Orientierung zugehörig.
  • Manchmal fühle ich mich, als hätte ich immer wieder ein neues Coming-out.

Abrosexualität in Beziehungen: Auf welches Geschlecht stehen abrosexuelle Menschen?

Abroxexuelle Menschen können sexuelle Beziehungen mit unterschiedlichen Geschlechtern eingehen. Manche sind auch festgelegt auf bestimmte Geschlechter. Wichtig: Es geht nicht primär um das Geschlecht, was als attraktiv empfunden wird. Sondern mehr darum, wie sich die abrosexuelle Person selbst identifiziert.

Nehmen wir zur Verdeutlichung ein fiktives Beispiel: Leon empfindet sich heute als Mann eher heterosexuell und zu einer Frau hingezogen. In den nächsten drei Monaten hat er dann erfüllten Sex mit einem Mann - also fühlt er sich eher homosexuell. Dann kann es eine Phase von einem Jahr geben, in der er keine Lust auf Sex spürt - das spräche für Asexualität. Schließlich legt sich Leon fest, dass er auf Frauen und Männer steht. Aber wie stark sich das zeigt, schwankt.

Abrosexualität bei Menschen mit verschiedenen Geschlechtsidentitäten

Abrosexualität und Genderfluid - die Begriffe werden leicht verwechselt. Es gibt Menschen, die Genderfluid sind. Hier wechseln sich die eigenen Geschlechtsidentitäten. Ob Mann, Frau, Trans - das ist nicht festgelegt, sondern im Fluss. Es geht darum, wie eine Person sich selbst und den eigenen Körper empfindet. Und genau das kann fluide sein. Zu welchem Geschlecht sich jemand zugehörig fühlt, hat aber noch nichts mit der sexuellen Orientierung und den Vorlieben zu tun. Es gibt Menschen, die sind Genderfluid und abrosexuell zugleich. Das eine ist aber keine Voraussetzung für das andere.

Sexuelle Orientierungen im Überblick

Sexualität ist vielfältig. Die sexuelle Orientierung beschreibt, auf welches Geschlecht eine Person steht und wie sie sich selbst identifiziert:

  • heterosexuell: nur zum anderen Geschlecht sexuell hingezogen
  • homosexuell: nur zum eigenen Geschlecht sexuell hingezogen
  • bisexuell: zu Frauen und Männer sexuell hingezogen
  • allosexuell: zu anderen Menschen sexuell hingezogen
  • asexuell: zu keinem Menschen sexuell hingezogen
  • grausexuell: nur selten oder unter bestimmten Bedingungen sexuell zu jemandem hingezogen
  • finsexuell: sexuell zu Frauen hingezogen
  • polysexuell: sexuell hingezogen zu mehreren Geschlechtern, aber nicht zu allen.
  • pansexuell: sexuelle Anziehung unabhängig vom Geschlecht
  • sapiosexuell: sexuell angezogen von Intelligenz

Coming-out als abrosexuelle Person

Deine sexuelle Identität ist ein Teil von dir, den du nicht verstecken möchtest? Für manche Menschen ist ein Coming-out bedeutsam. Es kann helfen, die eigenen Vorlieben anzunehmen, dazu zu stehen und sich darüber auszutauschen.

Bei Abrosexualität ist die Qualität des Wandels besonders. Es kann eine Herausforderung sein, dass der Wechsel von sexuellen Phasen nicht als Unsicherheit interpretiert wird. Coming-out bedeutet nicht, dass du Familie und Freund:innen die Zugehörigkeit zu einer sexuellen Orientierung beweisen musst - oder dass sie so bleiben muss. Zunächst geht es um dein inneres Coming-out: Dass du dir bewusst wirst, was und wie du fühlst und dich mit deiner Orientierung auseinandersetzt. So hast du auch die Chance, dich zu informieren und von und mit anderen Menschen zu lernen. Es ist hilfreich, sich bereits im Vorfeld mit möglichen Vorurteilen zu beschäftigen. So bekommst du Sicherheit, darauf zu reagieren und bist nicht so leicht überrumpelt.

Es gibt viele Anlaufstellen, die dich beim Coming-out unterstützen können: etwa Online-Beratungen, Telefonsprechstunden und örtliche Beratungsstellen. Auch in Foren und Gruppen bietet sich die Möglichkeit zum Austausch. So kannst du leichter herausfinden, was für dich der passende Weg ist.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Coming-out? Das bestimmst du selbst. Zunächst empfiehlt es sich, mit nahestehenden Personen zu sprechen, bei denen du dich sicher fühlst - und die dein Coming-out auch für sich behalten, wenn du das wünschst. Außerdem sollte genügend Zeit vorhanden sein, um in Ruhe zu sprechen. Gerade bei eher ungewöhnlichen sexuellen Orientierungen hat dein Gegenüber bestimmt Fragen. Oute dich nicht bei einem Streit. Wähle lieber eine positive Situation und ein sicheres Umfeld.

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