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Der US-Bundestaat Alabama, einer der Staaten, in denen hypermoralische Gottesfürchtigkeit immer noch weit über menschlichem Verstand regiert, hat entschieden, Schwangerschaftsabbrüche auch im Falle von Vergewaltigung und Inzest strafbar zu machen. Was von Abtreibungsbefürwortern als Sieg gefeiert wird, ist ein Schritt in Richtung finsterste Vorzeit. Diese Entscheidung wird Menschenleben kosten, und zwar meine ich damit nicht die der abgetriebenen Föten, sondern die der Frauen, die in ihrer Verzweiflung versuchen werden, die Schwangerschaft dennoch zu unterbrechen. Früher sind Frauen auf Fahrrädern Kopfsteinpflasterwege entlanggefahren, in der Hoffnung, das Rütteln möge beenden, was sie als falsch empfinden. Sie haben sich Treppen heruntergestürzt, sind von Leitern gesprungen, haben sich mit Petersilie vergiftet oder sind in ihrer Not zu Engelmachern gegangen, die kaum Kenntnis der medizinischen Grundlagen hatten. Man kann Abtreibungen nicht verhindern, indem man sie verbietet. Man kann sie nur gefährlicher machen.

Abtreibungen sind nicht selten

Meine Wut über diesen Schwachsinn kann ich kaum in Worte fassen. Zum Glück hat das die US-Schauspielerin Busy Philipps getan, die inzwischen eine tägliche Talkshow hat. Unter dem Hashtag #youknowme, du kennst mich, hat sie ihre eigene Abtreibungsgeschichte veröffentlicht, mit dem Ziel, Abbrüche aus dem Tabu zu holen und deutlich zu zeigen, dass Abtreibungen nicht selten sind, weil wir alle eine Person kennen, die mindestens einen Abbruch hat vornehmen lassen. Die Gründe dafür sind zahlreich und es steht niemandem zu, darüber zu urteilen.

Wenn ihr diese Kolumne aufmerksam lest, dann wisst ihr, dass ich selbst eine Abtreibung hatte, als ich 22 war. Ich war damals zu schüchtern und zu sehnsüchtig, um vernünftig auf mich aufzupassen und als ich schwanger wurde, gab es nur eine Entscheidung. Die Vorstellung, was aus mir und dem armen Kind geworden wäre, erfüllt mich heute noch mit Schaudern. Der Typ war ein herzloser Idiot und ich sowieso schon vom Leben überfordert. Es hätte nichts Gutes daraus werden können, der schier endlose Zyklus meiner Familie aus ungewollten Schwangerschaften und Leid wäre einfach weitergegangen. Es war gut, wenn auch nicht schön, dass ich abgetrieben habe. Es war das Richtige.

Seid ehrlich und transparent

Das Richtige zu tun, wird den Menschen in den USA seit jeher schwer gemacht, vor allem aber in den Staaten, die traditionell Gräueltaten mit der Bibel begründen. Gott mag keine Homosexuellen, keinen Sex vor der Ehe, keine Abtreibungen. So ein schrecklicher Schwachsinn. Die Bibel ist voller Botschaften der Liebe, egal, ob man nun an Gott glaubt oder nicht. Sie ist ein Buch, dass im Wesentlichen zum guten Miteinander aufruft und nicht zur Abspaltung. Mir ist auch egal, welche Religionsgemeinschaft sich für besser hält als die andere. Dass nichts Gutes dabei herauskommt, wenn Menschen zu etwas gezwungen werden, dass ihnen Angst und Schmerz bereitet, sollte inzwischen allen klar sein.

Also: Erzählt anderen von euren Abtreibungen. Erzählt ihnen von euren Ängsten, Sorgen und Zweifeln. Seid echt, ehrlich und transparent. Denn nur in einer Gesellschaft, in der Heimlichkeiten herrschen, kann sich Unterdrückung ausbreiten.

In diesem Sinne: #youknowme.

Alles Liebe,
Paula