Unsere Welt wird immer versexter. In Pornos geht es richtig zur Sache, im Schlafzimmer darf seit „Shades of Grey“ die Peitsche nicht fehlen und „Dirty Talk“ muss selbst der ruhigste Mensch perfekt beherrschen. Doch seit wann ist die schönste Nebensache der Welt eigentlich so kompliziert geworden?

Ist Vanilla-Sex immer langweilig?

Beim Sex sollen sich beide Partner in erster Linie wohl fühlen. Dazu gehört natürlich, dass sich beide auf einer sehr intimen Ebene verstehen. Dazu gehört aber auch, dass jeder sich in seiner Komfort-Zone bewegen kann, am besten rhythmisch. Wenn einer gleich die Peitsche auspackt und das Kamasutra runterrattern will, dann kann es schnell passieren, dass über das Ziel hinausgeschossen wird. Warum nicht mal langsam anfangen und Vanilla-Sex neuer Würze verleihen?

Vanilla Sex, manchmal auch abwertend Blümchen-Sex genannt, meint, dass die Partner ihre Werkseinstellungen zurücksetzen und das „Standard“-Programm für sich wiederentdecken. Ohne SM oder andere Fetische. Der Begriff kommt aus dem Englischen und wurde von der Eissorte „Plain Vanilla“, also Vanille-Eis ohne Schnickschnack, abgeleitet.

Sex abseits von "Shades od Grey"

Besonders sexuell Unerfahrene sollten sich nicht gleich in irgendwelche Sexualpraktiken verflüchtigen, mit denen sie sich nicht wohl fühlen. Auch im Chemieunterricht experimentiert man nicht gleich mit gefährlichen Chemikalien. Also fahrt bitte im ersten Gang an und nicht gleich im dritten. Doch was heißt das genau? Das Vorspiel gehört zum Vanilla-Sex dazu – ganz ohne Spielzeug, sondern nur Lippen und Zunge. Die Missonarsstellung als alter Klassiker darf natürlich auch nicht fehlen. Und statt durchzupowern versucht es doch mal mit Slow Sex. Lernt den Körper des anderen und euren eigenen erst einmal kennen, bevor ihr Grenzen übertretet, die viel Vertrauen brauchen.

Lasst euch nicht als langweilig und phantasielos abstempeln, wenn ihr es auch mal Vanilla mögt. Die Porno-Industrie und Filme wie „Shades of Grey“ drängen Menschen teilweise aus ihrer Komfort-Zone heraus, weil sie denken, sie müssen BDSM praktizieren, um heutzutage noch mithalten zu können. Oft sind bei Rollenspielen schauspielerische Leistungen gefragt. Der sexuelle Lebenslauf wird immer komplizierter. Hauptsache versaut, scheint das Motto. Doch bevor ihr Peitsche und Handschellen auspackt, kehrt doch erst einmal zurück zum Ursprung. Benutzt Hände und Lippen, um euch gegenseitig zu stimulieren. Denn wer die hohe Kunst der Handfertigkeit beherrscht, braucht meistens gar kein Spielzeug mehr.

Egal ob nun Blümchen-Sex oder Bondage: Fühlt euch zu nichts verpflichtet, was ihr nicht wollt. Viele Menschen wollen im Sommer Vanille auf ihrer Eiswaffel und nicht unbedingt Birne-Ingwer-Eis. Jedem so wie es ihm schmeckt.