- Bildquelle: Getty © Getty

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Intellekt, der etwas versteht und dem Unterbewusstsein, dass etwas wirklich versteht. Das weiß wohl jeder, der schon einmal versucht hat, eine üble Gewohnheit abzulegen. Natürlich wäre es besser, nicht zu rauchen, aber wenn die liebe Freundin abends mit der Packung herumwedelt, greift man schneller zu, als das Hirn Nein sagen kann. Wobei das Laster natürlich für jeden ein anderes ist; Rauchen aufzuhören fiel mir ganz leicht, weil ich einen richtigen Ekel davor entwickelt habe. Eis essen aufzugeben ist hingegen eine schier unüberwindliche Barriere für mich.

Selbstschädigendes Verhalten abzulegen ist schwer 

Knackiger wird das natürlich, wenn es um Beziehungen geht. Schädigendes, oder richtiger selbstschädigendes Verhalten in Beziehungen ist etwas, das wahnsinnig schwer zu überwinden ist. Ich merke das immer wieder in der Nachbetreuung einiger lieber Menschen, die in meinem Podcast zu Gast waren (wer ihn nicht kennt: Paula kommt – Podcast des Scheiterns, gibt es überall, wo es Podcasts gibt) und im Gespräch absolut verstanden haben, wo ihre Fallstricke liegen. Nur ist das in einem Gespräch leicht zu durchschauen, in der Realität aber unglaublich schwer zu knacken.

Beziehungssucht: Ohne Partner ist man nichts wert  

Nehmen wir das Beispiel der Beziehungssucht, weil es besonders weit verbreitet ist. Beziehungssüchtige haben das Gefühl, ohne einen Partner oder eine Partnerin nicht viel oder gar nichts wert zu sein. Und im Zuge dessen sind sie bereit, sich in der Beziehung so lange krumm zu machen, bis von ihnen selbst im Grunde gar nichts mehr übrig ist. Beziehungssüchtigen ist es so wichtig, jemanden an ihrer Seite zu haben, der scheinbar ihren Wert steigert, dass sie bereit sind, praktisch jeden zu akzeptieren und zwar unabhängig von dessen Absichten oder Gefühlen. Darum finden diese Menschen auch fast immer geeignete Kandidaten, während man gewöhnlich ja eher selten jemanden trifft, von dem man das Gefühl hat, dass derjenige passen könnte. Das Traurige ist, dass Beziehungssüchtige Gründe für das Scheitern jeder noch kurzen Beziehung immer bei sich suchen und somit noch weiter von den eigenen Bedürfnissen abrücken, als es eh schon der Fall ist.

Der Weg aus der Beziehungssucht: Alleine sein!

Der Haken: Das einzige, was einen aus der Beziehungssucht befreien kann, ist es, den eigenen Bedürfnissen möglichst nahe zu kommen. Und das bedeutet in der Praxis, erstmal gar niemanden zu daten und das Alleine sein auszuhalten. Also das genaue Gegenteil von dem zu tun, zu dem einen das Unterbewusstsein wieder und wieder treibt. Gewohnheiten, und nichts anderes ist dieser starke Wunsch, unbedingt einen Partner finden zu müssen, ändern sich aber extrem schwer. Und darum ist es so wichtig, sich mindestens vier, besser noch acht Monate Zeit zu nehmen, um das eigene Verhalten zu überprüfen und zu verändern. Es ist nicht so schwer, wenn man weiß, dass am anderen Ende endlich das echte Gefühl zu sich selbst auf einen wartet.