Sexentzug in Beziehungen - Machtspiel mit Folgen

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"Kommst du?" - die Kolumne von Paula Lambert lest ihr wöchentlich neu, hier auf sixx.de. Paula Lambert, bekannt aus der sixx-Sendung "Paula kommt" oder "Paula kommt ... am Telefon", beschäftigt sich in ihrer Kolumne jede Woche mit einem aktuellen oder brisanten Thema rund um Frauen, Männer, Sex, Liebe, Lust und Beziehung. In dieser Kolumne beschäftigt sich Paula mit Sexentzug in Beziehungen.

Ich weiß nicht, ob ihr die Ur-Version von „Charmed“ kennt, jene nämlich, in der noch Shannon Doherty aus „Beverly Hills, 90210“ mitgespielt hat und Alyssa Milano, die vorher in „Wer ist hier der Boss?“ als Kinderstar mitgewirkt hat. Von beiden hört man beruflich nicht mehr allzu viel, Alyssa Milano macht sich allerdings als Frauenrechtlerin stark, zum Beispiel in der #metoo-Debatte und jüngst gegen das Abtreibungsverbot in einigen Staaten der USA, das für Frauen eine Katastrophe ist. 

Sexstreik um auf Misstände hinzuweisen

Ihr letzter Vorschlag ist radikal, aber durchaus öffentlichkeitswirksam: Um auf die Missstände hinzuweisen, sollen Frauen ihren Partnern Sex verweigern. Die Idee ist nicht ganz neu. In seiner Komödie „Lysistrata“ hat schon der griechische Dichter Aristophanes Frauen ihre Männer in die Knie zwingen lassen, in dem sie Ihnen den Sex verweigern. Um das Leid durch von den Männern verursachten Kriegen zu beenden, entscheiden sich die Frauen Athens unter der Führung der Titelheldin, die Akropolis zu besetzen und die Männer quasi auszuhungern. Obwohl im Verlauf des Stückes mehrere hormongebeutelte Frauen versuchen, die Festung zu verlassen, um sich Befriedigung zu verschaffen und Männer fruchtlos die Belagerung stürmen, bleiben die Frauen standhaft und feiern am Ende einen Erfolg. Im politischen Sinne halte ich einen Sexstreik durchaus für ein probates Mittel, so groß das Opfer auch sein mag.

Anders ist es im Privatleben. Es gibt Menschen, die ihre Sexualität in der Partnerschaft als Druckmittel für das Erreichen bestimmter Ziele einsetzen. Wenn du mir die Uhr nicht kaufst, haben wir keinen Sex. Wenn du nicht mit mir in Urlaub fährst, haben wir keinen Sex. Wenn du nicht aufräumst, haben wir keinen Sex. Diese Art Tauschgeschäft macht den Händler einer Prostituierten nicht sehr unähnlich - du bietest mir Ware/Handlung, ich biete dafür meinen Körper feil. Das kann man natürlich machen, wenn man will, aber die Nachteile liegen wohl auf der Hand.

Sex soll keine funktionalen Aufgaben sein

Wer die partnerschaftliche Sexualität als Handelsgut versteht, hat etwas ganz Entscheidendes über Beziehungen nicht verstanden. Nämlich, dass Sex keine funktionalen Aufgaben haben sollte, sondern eine verbindende. Wer als Paar gemeinsam im Bett liegt, schafft eine besondere Form der Nähe und Bindung. Wer aber nur als Teil eines Deals beieinander liegt, kann es eigentlich lassen. Denn dann ist alles Lüge, was man lebt. Und das ist ja nun wirklich Lebensverschwendung. 

 

Alles Liebe
Paula


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