- Bildquelle: Getty Images  © Getty Images

Ob man will oder nicht: Bis zum Hals im Wasser ist in diesen Wochen der angenehmste Ort. Ich selbst reise gerade durch Großbritannien, wo es immer dort, wo ich weile, angenehme 15 Grad und leichten Regen gibt, und was ich zum Beispiel aus Berlin gehört habe, bestätigt mich in der Vermutung, dass ich einfach hierbleiben sollte. Ich glaube, ein Grund dafür, warum die Briten in Urlaubsgebieten häufig so ausfallend werden und sich durchaus auffällig benehmen, ist eine angeborene Hitzeunverträglichkeit. Sobald die Temperaturen über 18 Grad steigen, das ist allerdings nur eine Vermutung, müssen Briten sich sämtlicher Kleidung entledigen und sich verhalten wie Kühe, die man nach einem langen Winter endlich wieder auf die Weide lässt. Da vor allem Britinnen sich auch im Winter schon eher leicht bedecken, nehme ich an, es handelt sich hierbei um eine Trainingsphase, die auf möglichst schnelles Entkleiden im Sommer hinzielt.
Was die Briten jedenfalls ganz sicher nicht haben, ist Scham in Sachen Kleiderwahl. Das mag einem missfallen und es gibt genug Gelegenheit, sich zu erschrecken, aber eines ist gewiss: Wenn Briten schwitzen, dann nicht, weil zu viel Stoff ihren Körper bedeckt. Was mich zu der Bikinifrage bringt.

Die große Bikinifrage 

Die Bikinifrage ist ein viel diskutiertes Sujet, dass in populären Sinnspruchtäfelchen á la „Wie man einen Bikinikörper bekommt? Man nimmt einen Körper und kauft ihm einen Bikini“ gipfelt, was natürlich wahr ist, einerseits. Darf ein anderer Mensch darüber urteilen, ob man eines Bikinis würdig ist? Mitnichten. Verurteilt man sich selbst in einem Bikini steckend? Möglicherweise. Ein Bikini ist eine Sichtbarmachung der eigenen Verfehlungen, denn ja, jedes Röllchen will hinaus in die Welt. 

Der Nachteil der Anti-Bodyshaming-Geschichte 

Nun gibt es eine Stilrichtung der Selbstliebe, die sich gegen das Bodyshaming richtet, was völlig richtig ist. Niemand kennt die Geschichte des anderen, in dem Fall speckigen Menschen, und niemand weiß, welcher Kampf dahintersteckt. Ein Nachteil der Anti-Bodyshaming-Geschichte ist aber, dass der Gesundheitsfaktor etwas zu wenig zur Geltung kommt. Gestern wurden in Großbritannien die neuesten Zahlen zur Sterblichkeit veröffentlicht und zum ersten Mal sind mehr Menschen an Krebserkrankungen durch Übergewicht als durch Tabakkonsum gestorben, nämlich fast doppelt so viele. Der Haken an Fettzellen, die an inneren Organen sitzen, ist nämlich, dass sie vereinfacht gesagt Wachstumsbefehle an die umgebenden Zellen senden und so das Tumorwachstum massiv begünstigen. Dazu kommen noch die Herz-Kreislauf-Geschichten durch Adipositas, und schon haben wir eine statistisch hochrelevante Todesursache.

"Gesundheit muss das Ziel sein!"

Ich habe mir selbst einen ordentlichen Wanst angefressen, teils durch Stress, teils durch emotionale Altlasten, und die Gefahr wahrzunehmen, hat nichts damit zu tun, dass ich mich selbst nicht akzeptiere. Im Gegenteil, ich kenne meine Fallstricke ganz genau und der größte Akt der Selbstliebe ist es, die Ursachen dafür zu heilen und aus dem Weg zu räumen. Es geht nicht darum, einem Schönheitsideal zu entsprechen. Gesundheit muss das Ziel sein. Ich weiß selbst, dass der Gegner, nämlich man selbst, gewaltig ist und übermächtig stark. Aber ich versuche, einen Weg zu finden, mit den Dämonen umzugehen. Und wenn ich auf dem Weg dorthin im Wasser sitze, dann trage ich einen Bikini. Weil ich es kann.

Alles Liebe

Paula