Liebe und Lust

Pheromone beim Menschen: So beeinflussen uns die Duftstoffe

  • Veröffentlicht: 01.05.2023
  • 10:11 Uhr
Inwiefern haben Pheromone Auswirkung auf die Partnerwahl?
Inwiefern haben Pheromone Auswirkung auf die Partnerwahl?© Getty Images/iStockphoto

Pheromone sollen die Partnerwahl beeinflussen und das Verhalten steuern. Allerdings im Geheimen. Doch stimmt das überhaupt und wie wirken die Duftstoffe beim Menschen? Erfahre mehr über Pheromon-Parfums und anziehende Gerüche.

Im Clip: Sexuelle Orientierungen 

Was sind Pheromone und welche Rolle spielen sie beim Menschen?

Pheromone - schon gehört. Aber was ist das eigentlich genau? Pheromone sind Duftstoffe, die der Körper abgibt. Sie können etwa im Schweiß, im Urin, in Vaginalsekreten und Samenflüssigkeit vorkommen. Die chemosensorischen Reize rufen ähnliche Reaktionen hervor wie Hormone. Sie sind Botenstoffe.

Pheromone dienen der Kommunikation zwischen Lebewesen einer Art. Aus dem Tierreich etwa ist bekannt: Die Duftstoffe beeinflussen die Partnerwahl und das Sexualverhalten. Kurz gesagt: Sie entscheiden, wer Sex miteinander hat. Findet eine Hündin etwa die Pheromone des Rüden dufte, dann ist sie zur Paarung bereit. Andersrum erkennt ein Rüde am Geruch der Hündin, ob diese fruchtbar ist. Pheromone steuern auch menschliches Verhalten. Allerdings nicht so ausgeprägt wie im Tierreich.

Den Begriff Pheromon gibt es seit 1959. Er stammt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus den Wörtern: "pherein" - was transportieren heißt. Außerdem kommt das Wort "hormon" darin vor, was so viel wie "erregen" oder auch "antreiben" heißt.

So nehmen Menschen und Tiere Pheromone wahr

Viele Wirbeltiere nehmen Pheromone mit einem speziellen Organ neben der Nasenhöhle wahr. Es heißt Jacobson-Organ. Und wir Menschen? Tja, jetzt wird es etwas kompliziert. Menschen besitzen auch ein Jacobson-Organ. Allerdings: Forschungen zufolge ist dieses nicht funktionstüchtig. Trotzdem nehmen Menschen Pheromone über das olfaktorische System wahr. Offenbar funktioniert das auch ohne den besonderen Riecher - wenn auch nicht so stark wie bei Tieren.

Und jetzt kommt überhaupt der Knackpunkt: Das ganze Spiel mit den Pheromonen geschieht Im Verborgenen. Denn die Gerüche riechen wir nicht bewusst. Sprich: Wir haben die Nase manchmal voll - mit Pheromonen. Aber wir bemerken das gar nicht. Dennoch wirken die Reize unterschwellig bei unseren Entscheidungen mit.

Diese Arten von Pheromonen unterscheiden Fachleute

Über Tiere ist bekannt: Pheromone locken Artgenossen an, schrecken sie ab, lösen Aggressionen aus und vermitteln Paarungsbereitschaft. Es gibt verschiedene Arten von Pheromonen, die unterschiedlich wirken:

  1. Releasing Pheromone: Sendet der Körper diese Duftstoffe aus, wirkt sich das kurzfristig auf das Verhalten aus. Diese Pheromone wirken innerhalb von Sekunden oder Minuten. Sie rufen eine bestimmte Reaktion hervor. Sie können etwa Lust auf Sex machen, vor Gefahren warnen. Einige Tiere markieren damit ihre Reviere.
  2. Primer Pheromone: Sie wirken eher langfristig. Die Reaktion des Empfängers oder der Empfängerin findet also nicht unmittelbar statt, sondern mit Zeitverzögerung. Sie wirken sich beispielswiese auf den weiblichen Zyklus aus. So rufen Primer Pheromone möglicherweise auch körperliche Veränderungen hervor.

Wie Pheromone bei Frauen und Männern wirken

Es gibt einen Unterschied zwischen normalen Gerüchen und Pheromonen. Bei einem Geruch gelangen Geruchsmoleküle in unsere Nase. Die Folge: Wir nehmen einen Geruch wahr. Pheromone hingegen treffen auf Pheromonrezeptoren. Diese senden Reize. Aber wir riechen dabei nichts.

Wissenschaftlich ist es nicht belegt, wie sehr Pheromone das menschliche Verhalten beeinflussen. Welche Pheromone bei Menschen wirken, ist kaum erforscht. Allein zum Duftstoff Hedion gibt es spannende Erkenntnisse: Der blumige Geruch weckt beim Menschen Pheromonrezeptoren. Das wiederum spricht dafür, dass dieser auch Verhalten steuert. Bisher ist die Beeinflussung lediglich in Bezug auf Hedion bekannt.

Ein Wissenschaftsteam aus Deutschland und der Schweiz fand heraus: Liegt der Duft von Hedion in der Luft, verhalten sich Menschen eher nach dem Motto: Wie du mir so ich dir, also  reziprok.

Pheromone und Partnerwahl

Jeder Mensch hat einen spezifischen Geruch, seinen Eigengeruch. Dieser hat jedoch laut Fachleuten nicht zwingend etwas mit Pheromonen zu tun. Denn oft wird dieser sogar bewusst wahrgenommen. Pheromone jedoch nehmen Menschen nicht bewusst wahr.

Von Pheromonen wissen Forschende, dass sie unser Verhalten beeinflussen. Nehmen wir etwa über Pheromone im Schweiß Angst wahr, löst das Empathie aus oder auch Furcht. Wir haben also von Natur aus einen Riecher für Gefahr - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Pheromone warnen uns.

Und wie ist es bei der Wahl des Partners und der Partnerin? Gründe, warum sich wer in wen verliebt, sind hier nicht so eindeutig auszumachen wie beim Thema Angst. Manche Versuche zeigen, dass Pheromone die Attraktivität steigern können. So gab es etwa eine Studie, für die Forschende Sexualpheromone von Männern auf Kinosesseln verteilten. Anschließend kamen Probandinnen und Probanden in den Kinosaal. Diese hatten freie Platzwahl - und wussten nicht, welche Sitze markiert waren. Das Ergebnis: Heterosexuelle Frauen und homosexuelle Männer wählten häufiger die Plätze, die mit dem männlichen Sexualhormon markiert waren. Andere Studien konnten die anziehende Wirkung von Pheromonen beim Menschen jedoch nicht nachweisen. Die Studien liefern also keine eindeutigen Ergebnisse.

Was sind Pheromon-Parfums?

Die wahre Liebe finden: Pheromon-Parfums sind Düfte, die künstliche Pheromone enthalten. Sie sollen wie sexuelle Lockstoffe sein und Männer und Frauen beim Dating helfen. Die Versprechungen der Herstellenden sind oft groß: Angeblich wirken die Inhaltstoffe unwiderstehlich. In den sozialen Medien gelten Pheromon-Parfums als Geheimtipp für Singles. Anstatt einen fremden Geruch aufzulegen, sollen viele Pheromon-Parfums den Eigengeruch unterstreichen - und damit das Animalische hervorheben. Sie enthalten etwa folgende Pheromone:

  • Androstedienon soll Männer unwiderstehlich riechen lassen.
  • Copulin und Estratetraenol sollen Frauen anziehend und attraktiv erscheinen lassen.

Die Wirkung von Pheromon-Parfum ist nicht belegt

Es klingt verlockend: Parfum kaufen und darüber den passenden Partner oder die passende Partnerin finden. Einfach den richtigen Duft auflegen - und schon eilt Mr. Right herbei. Der Kontakt entsteht wie von selbst. Aber so einfach ist es nicht. Dass Pheromon-Parfums sexuell anziehend wirken, ist wissenschaftlich nicht belegt. Menschen besitzen einfach nicht viele Pheromonrezeptoren. Daher ist es auch unwahrscheinlich, dass Pheromon-Parfums sie fernsteuern und unbewusst zu einem Partner oder einer Partnerin ziehen. Die Parfumindustrie wirbt dennoch damit. Letztlich entscheiden aber viele unterschiedliche Faktoren darüber, in wen sich ein Mensch verliebt - nicht ein Geruch oder Botenstoff allein.

Dich kann ich gut riechen: Diese Gerüche sind sexuell erregend

Wie Pheromon-Parfums wirken ist also strittig. Klar hingegen ist: Es gibt betörende Düfte. Diese steuern zwar nicht gezielt Verhalten, aber sie entfalten trotzdem eine gewisse Wirkung. Manche Gerüche finden wir echt dufte, andere abstoßend. Woran liegt das? Was wir gern riechen, ist zum einen Teil genetisch festgelegt. Naturgerüche wie der Duft von Blumen finden viele Menschen angenehm. Ein faules Steak hingegen riecht abstoßend. Aber bleiben wir bei den Gerüche, die  aphrodisierend wirken.  Dazu zählen etwa diese Düfte:

  • Jasmin
  • Lavendel
  • Vanille
  • Zimt
  • Sandelholz
  • Rose
  • Zitrus

Die Wahrnehmung und Einstufung von Gerüchen ist allerdings ein Lernprozess - also nicht bei jedem Menschen gleich. Der Lernprozess startet bereits als ungeborenes Baby im Bauch der Mutter. Die Nabelschnur leitet Geschmacks- und Geruchsstoffe zum Kind. Im Laufe des Lebens sammeln wir weitere Erfahrungen und verknüpfen Gerüche mit guten und schlechten Erlebnissen. Kein Wunder also, dass Geruchsempfinden individuell ist.

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