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Was ist schon noch wirklich männlich? Auf jeden Fall James Bond, da wird man sich einig. Schnelle Autos, scharfe Knarren, schöne Frauen. Und ein Babytuch? 007-Darsteller Daniel Craig hat sein Neugeborenes vor ein paar Tagen in so einem Tuch vor dem Bauch getragen; Moderator Piers Morgan hat darüber via Twitter einen Witz gemacht („Oh 007... nicht auch noch du?“) und den Tweet mit dem Hashtag #emasculatedBond versehen – der entmannte Bond. Piers Morgan findet Babys in Tragetüchern also nicht männlich.

Männer machen das so?

Es war bestimmt nicht das erste Mal für Daniel Craig. 57 Prozent der Männer geben nach aktuellen Umfragen an, dass man ihnen mindestens einmal in ihrem Leben gesagt hat, dass sich Männer auf eine bestimmte Art zu verhalten haben. Daraus setzt sich ungefähr so ein Bild zusammen: Männer können bestimmen, anführen, kämpfen und rülpsen. Aber nicht: weinen, Tierbabys füttern und Ballett tanzen.

Frauen konnten sich aus dieser sehr schablonenhaften Vorstellung von Persönlichkeit schon viel weiter befreien, als das Männern bisher möglich zu sein schien. Starke Frauen werden (endlich) viel besser akzeptiert als noch vor ein paar Jahren, von vielen Männern aber auch von anderen Frauen. Und genauso akzeptiert: Frauen, die ganz selbstverständlich weiblich sind. Bei Männern werden noch immer unangebrachte Witze mit teilweise homophobem Bezug gemacht (obwohl die sexuelle Orientierung auch in dieser Debatte gar keine Rolle spielen sollte), von anderen Männern, leider aber auch von Frauen.

Wie (ver)lernt man Geschlechter?

Die meisten Eltern haben verstanden, dass sie mit ihren Töchtern über Geschlechter, deren überholte Grenzen und deren (noch fehlende) Gleichberechtigung sprechen müssen, um sie stark genug für die Welt da draußen zu machen. Bei der Erziehung ihrer Söhne ist das seltener ein Thema. Man bringt ihnen noch zu wenig bei, sich dem, was die Gesellschaft von ihnen als Mann erwartet, mutig entgegenzustellen. Im Zuge von #MeToo hat man zwar zumindest schon mal angefangen, ihnen zu sagen, was sie bitte nicht machen sollen, also nicht beleidigen, belästigen, Macht ausnutzen. Darüber müssen wir aber hinausgehen und Männer zu mehr Facetten ermutigen. Die richtigen Ratschläge wären dazu: Seid einfühlsam, fragt nach Hilfe, gebt Angst ruhig auch mal zu.

Der Sozialpsychologe Rolf Pohl hat von Männlichkeit gegenüber der Süddeutschen Zeitung als „in einem krisenhaften Zustand“ gesprochen. Warum? Weil Männer immer unter dem Druck stehen, sich als das stärkere (Pohl sagt „das wichtigere“) Geschlecht beweisen zu müssen. Auch, dass viele Frauen nicht mehr auf den Mann als Verdiener angewiesen sind, verändert das Bild von Männlichkeit genauso, wie es das von Weiblichkeit verändert hat. Besser gesagt: erweitert.

Macht es da überhaupt noch Sinn, etwas als männlich oder weiblich zu definieren?

Im Prinzip muss man beide Begriffe so weit gefasst definieren, bis sich die Unterschiede fast auflösen. Und man muss dafür schon längst annehmen, dass maskulin nicht nur Männer sein können und feminin nicht nur Frauen. Oberflächlich ist das, zum Beispiel in der Mode, schon angekommen. Designer weiten die Grenzen da immerhin auch schon seit 70 Jahren aus und entwerfen mittlerweile Anzüge für Frauen und Rüschen für Männer. Trotzdem unterteilt man weitern in männliche Kleidungsstücke (Anzug) und weibliche Kleidungsstücke (Rüschenbluse).

Um Vorurteile jemals auszulöschen, müsste man die Begriffe „männlich“ und „weiblich“ eigentlich konsequent für die meisten Attribute abschaffen, die nicht Fakt sind. Also: Ein Penis ist männlich und eine Vagina weiblich. Weinen und Gewichte stemmen lässt sich dann nicht mehr in eine der beiden Kategorien unterteilen. Am Ziel angekommen sind wir, wenn wir über dieses Thema nicht mehr diskutieren.