- Bildquelle: Disney © Disney

Viele Disney-Filme haben eines gemeinsam: Gut gewinnt gegen Böse und am Ende vereinen sich zwei Liebende – meistens Mann und Frau – und leben glücklich bis an ihr Lebensende. So auch beim Disney-Klassiker „Die Schöne und das Biest“. Wie die Geschichte endet ist vielen Leuten, spätestens seit der Realverfilmung mit Emma Watson, bekannt. Die Handlung ist simpel: Die hübsche Belle verliebt sich im Laufe des Geschehens (und nach etlichen Musicaleinlagen) in das schreckliche Biest, welches in Wirklichkeit ein verzauberter Prinz ist.

Belle und das Biest tanzen
© Disney

Aber war „Biest“ die richtige Wahl für die schöne Belle? Hätte es nicht lieber Gaston sein sollen? Diese Frage hat sich zumindest die Twitter Nutzerin Dana Schwartz (@DanaSchwartzzz) gestellt, die meint, dass der – in meiner Wahrnehmung– rüpelhafte Gaston der bessere Mann für Belle gewesen wäre. Ihre Hypothese, die sie in eine PowerPoint-Präsentation verpackt hat und ich nicht ganz nachvollziehen kann (und möchte), versucht die Pseudo-Disney-Analytikerin mittels eines Graphen zu verdeutlichen. Darin misst sie eine Vielzahl an Disney-Bösewichten an ihrer Attraktivität und wie nachvollziehbar deren Standpunkt ist. Gaston schneidet in jenem Graphen ziemlich gut ab, zumindest was seine Absichten angeht. Auf der Attraktivitäts-Skala ist er lediglich Dritter. Nur Jafar aus Aladdin und der Dämonenkönig Chernabog aus Fantasia schneiden besser ab als der Franzose.

Für die Twitter-Nutzerin ist klar: Belle hat definitiv die falsche Wahl getroffen. Doch welche Argumente sprechen für den selbsternannten Frauenhelden? Ihrem langen Tweet nach zu urteilen, ist Gaston ein starker, muskulöser Mann, der gut jagen kann. Dazu möchte er eine Familie mit vielen Kindern haben. Er hat eine ganze Anhängerschaft von Freunden und ist - @DianaSchwartzzz Auffassung nach – ein begnadeter Sänger. Darauf kommt es natürlich in der Partnerwahl im 18. Jahrhundert an – Vorsicht, Sarkasmus! Das Biest hingegen ist sehr launisch und hat Belles Vater eingesperrt. Es hat keine Freunde und auch keinen Job. Vergessen bleibt auch nicht, dass es Belle oft anbrüllt. Außerdem weiß er nicht, wie man mit einem Löffel isst. Gut, nun kann man sagen, dass einige dieser Argumente mich nicht vom Hocker hauen, vor allem, weil die Argumentation ziemlich einseitig ist. Gaston wird rein positiv dargestellt und das Biest rein negativ. Es ist gut möglich, dass Gaston ein edler Ehemann und Vater sein könnte, jedoch wird Belle konstant von Gaston bedrängt, der ihre Neins nicht akzeptieren will. Gegen Ende des Filmes lässt er sogar Belles Vater in eine psychiatrische Anstalt einweisen um Belle zu seiner Frau zu machen.

Trotz des Dilemmas entscheidet sich Belle für das Biest, denn wahre Liebe siegt – zumindest im Disney-Universum. Meiner Meinung nach sind weder das Biest noch Gaston unter keinen Umständen der richtige Umgang für Belle. Schließlich hält das Biest Belle gegen ihren Willen im verzauberten Schloss fest und versucht sie dazu zu bringen sich in ihn zu verlieben.  Also, ganz nachvollziehen kann ich Belles Wahl – auch ls eingefleischter Disney-Fan – nicht. 

Schließlich war die titelgebende Belle nicht nur schön, sondern – was viel wichtiger ist – klug, belesen, mutig, emanzipiert, lebensfroh und voller Elan. Sie ist eine der wenigen Disney-Prinzessinnen, die ein modernes Frauenbild verkörpert. Belle ist ebenso eine der ersten Disney-Prinzessinnen, die eigenständig über ihr Leben entscheiden möchte, anders als ihre Vorgängerinnen Cinderella, Schneewittchen und Dornröschen, die ihr ganzes Leben lang auf ihren Prinzen warten. Belle ist im Disney-Universum eine moderne Jean d’Arc, die eine Emanzipationswelle unter den Disney-Prinzessinnen ausgelöst hat. Nach ihr folgten starke, weibliche, feministische Charaktere, wie Pocahontas, Mulan, Merida, das Geschwisterpaar Anna und Elsa, aber auch Vaiana, zu denen Kinder, vor allem Mädchen aufsehen können. Es ist schade, dass Belle sich für das Leben im Schatten des Prinzen entschieden hat, denn sie war für viel mehr bestimmt.

Text: Kristjan Morina