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Es gibt viele Wege, eine Beziehung richtig zu führen. Und dann gibt es viele Wege, eine Beziehung gänzlich falsch zu führen. Mit RICHTIG meine ich: Eine Partnerschaft, die entschieden mehr Glücksmomente auslöst als solche, die unglücklich machen. Mit FALSCH meine ich jene, in denen Tränen, Streit und andauernde Trennungen, egal ob angedroht oder wirklich ausgeführt, an der Tagesordnung stehen. Bei mir melden sich viele, die die Qualität ihrer Beziehung mit leidenschaftlichen Ausbrüchen messen und dem beständigen „Wir lieben uns, es liegt alles nur an seiner Bindungsangst/Mutter/Unfähigkeit, meine Bedürfnisse zu erkennen/XYZ“, Ausreden also, die das Nichtfunktionieren einer Bindung irgendwie legitimieren sollen. Solche Partnerschaften nennt man toxische Beziehungen.

Toxische Beziehungen nutzen deine Schwachpunkte aus

Gesunde Partnerschaften konzentrieren sich auf deine Stärken. Sie nähren einen, unterstützen und pushen dich in deine bestmögliche Entwicklung. Toxische Beziehungen fokussieren sich auf deine Schwächen. Während in einer gesunden Beziehung beider Bedürfnisse gestillt werden, und zwar im Wechsel, ist es bei einer toxischen so, dass alle Energie in den einen Partner gesteckt wird – damit er endlich liebt, sich entspannt, nicht mehr fremdgehen muss, aufhört, cholerisch zu sein und so fort. Die Bedürfnisse des toxischen Partners sind IMMER wichtiger, als die des anderen. „Ich weiß ja, dass du krank zu Hause liegst, aber stell dir nur mal vor, wie es mir gehen muss! Ich muss auf diese Party gehen, obwohl ich einen total anstrengenden Tag hatte. Nächstes Mal machen wir etwas, das mir Spaß macht, okay?“, klingt vielleicht harmlos, aber die Botschaft, die dahinter steckt, hat es in sich. Egal, wie es dir geht, mein Schicksal ist garantiert schlimmer. Die Machtverhältnisse sind so unausgewogen und verdreht, dass der Verbleib in einer solchen Beziehung zu einem Überlebenskampf wird, bei dem man nur noch auf den nächsten großen Absturz wartet. Die vielen Lügen und Unsicherheiten („Wenn ich mich in einer bestimmten Weise verhalte, geht es uns besser. Er kann ja nichts dafür!“ etc.) führen dazu, dass eigentlich selbstbewusste und vertrauensvolle Menschen erodieren wie Sandstein und zu unsicheren, eifersüchtigen Häuflein werden, die hinter jeder Ecke etwas Verdächtiges sehen. Einfach, weil sie dem eigenen Gefühl nicht mehr vertrauen können.

Liebe soll glücklich machen

Liebe tut nicht weh. Narzissmus tut weh, Egoismus auch und ganz sicher das Gefühl, als Person abgelehnt zu werden. Liebe bedeutet nicht, dass man in maßloser Leidenschaft übereinander herfällt („Wir haben den BESTEN Sex unseres Lebens!“), um sich kurz darauf zumindest emotional die Haare vom Kopf zu reißen. Liebe ist eine gute Sache. Und jeder hat sie verdient.

Liebe Dich selbst

Das Problem daran ist, dass viele das Gefühl haben, das Leben hätte nichts Besseres für sie im Töpfchen, als einen Partner, der schöne Momente im kleinen und ein mieses Gefühl im Großen bereithält. Aber das stimmt nicht. Einem Menschen, der wieder und wieder in toxischen Beziehungen landet, hat hauptsächlich ein Problem: Keine Liebe für sich selbst.

Verwechselt Liebe nicht mit emotionaler Abhängigkeit

Vor kurzem schrieb mir eine junge Frau, dass sie mit ihrem Freund schon ein paar Jahre zusammen sei und er immer wieder in Phasen verfällt, in denen er sie nicht liebt. Was sie ändern könne? Ob es an ihr läge? Ich habe ihr geantwortet, dass sie vor allem ihren Beziehungsstatus ändern könne, denn das ist keine Beziehung, sondern ein Abhängigkeitsverhältnis. Begebt euch nicht in Abhängigkeit von den emotionalen Unzulänglichkeiten anderer. Das Leben ist zu kurz, um um Liebe zu betteln. Es gibt sie in Hülle und Fülle. Hoffentlich vor allem in eurem eigenen Herzen. Wenn euch dies betrifft: Ihr habt besseres verdient!

 

Alles Liebe,
Paula