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Neulich haben mir im sixx Instagram Livestream direkt vor meiner Sendung „Paula kommt am Telefon“ (jeden Mittwoch ab 23 Uhr) sehr viele von euch Fragen zum Thema Pille und Verhütung gestellt und ich möchte dazu ein paar Sachen sagen.

 

Die Pille muss ja für vieles herhalten, für die hormonelle Verunreinigung des Grundwassers, für Stimmungsschwankungen, für Depressionen und so weiter, aber der größte Vorwurf, der ihr gemacht wird, ist der, dass sie fett macht.

 

Nun ist es so, dass keine Langzeitstudie beweisen konnte, dass die Pille tatsächlich für Gewichtszunahme verantwortlich ist, dass sie aber tatsächlich dafür sorgt, dass sich Frauenkörper verändern. Zunächst einmal zum Fett: Mit dem Eintritt ins frühe Erwachsenenalter nimmt der durchschnittliche Erwachsene etwa ein halbes Kilo Körpergewicht pro Jahr zu, und zwar, wenn er nichts dagegen unternimmt, kontinuierlich bis zum Lebensende. Die Frühadoleszenz ist allerdings auch der Lebensabschnitt, in dem die meisten Frauen anfangen, die Pille zu nehmen. Das Gefühl, zuzunehmen, ist also durchaus real, allerdings nicht ohne weiteres auf die Pille zurückzuführen. Vielmehr sind Faktoren wie Stress, Lebensveränderungen etc. eher der Auslöser für das Bedürfnis, mehr zu essen, denn Nahrungsaufnahme dient dem Körper und dem Geist auch als Trostspender.

Durch die Pille werden weniger Muskeln aufgebaut

Allerdings haben Wissenschaftler folgendes interessantes Kuriosum herausgefunden: In einer zehnwöchigen Vergleichsgruppe sollen Männer wie Frauen beweisen, wie sehr sportliche Aktivität ihr Muskelwachstum begünstigt. Die Frauen, die auf der Pille waren, setzten 40 Prozent weniger Muskeln an, als solche die auf andere Art verhüteten. Erstaunlicher noch, vor allem die Frauen, deren Pille ein bestimmtes Progesterol enthielt, waren betroffen. Der Grund? Die Wissenschaftler vermuten, dass das Progesterol sich an bestimmte Andockstellen bindet, an denen sich auch muskelwachstumsfördernde, körpereigene Steroide binden würden, die nun aber, da der Platz besetzt ist, unverrichteter Dinge weiterziehen müssen. Ebenso wie auf den Muskelaufbau, können die Hormone in der Pille auch dafür sorgen, dass das Fett im weiblichen Körper einfach an anderen Stellen gelagert wird. So haben Frauen, die Pillen mit recht hohem Östrogen- und Progesterol-Anteil nehmen, häufiger eine klassische Sanduhr-Figur. Denn das Unterhautfettgewebe ist voller Östrogenrezeptoren, die den Speck an die richtigen Stellen locken. Dennoch haben diese Frauen nicht zwangsläufig mehr Fettanteil als andere, er ist nur anders verteilt.

Keine Beziehung: Benutzt immer Kondome

Es gibt natürlich auch andere Verhütungsmethoden, zum Glück. Neben der Pille für den Mann, die bald auf den Markt zu kommen scheint, gibt es zum Beispiel Spiralen. Vor allem Hormonspiralen eignen sich auch für ganz junge Mädchen (auch wenn viele Gynäkologen und Gynäkologinnen das immer noch nicht zu wissen scheinen, die Spirale zu setzen, wird nicht im Studium gelehrt!) und sind ganz toll für Frauen mit Hypermenorrhöe, also extremer Monatsblutung. Kupferspiralen hingegen kommen ohne Hormone aus, neigen aber dazu, die Periode echt knackig zu machen, worauf ich irgendwann überhaupt keine Lust mehr hatte. Dann gibt es noch Kupferketten, Pessare, Portiokappen und Apps, die den Zyklus überwachen helfen. Die Apps sind allerdings vor allem für jene gut, bei denen es nicht so arg ist, wenn sie schwanger werden. Und wenn ihr einfach nur so Sex habt mit Leuten, mit denen ihr keine Beziehung habt, dann benutzt ihr natürlich IMMER Kondome.

Wichtig ist bei allem, dass ihr euch gut informiert. Und von dem Feedback, dass ich von euch bekomme, schließe ich, dass die Ärzte, zu denen ihr geht, da nicht immer auf Zack sind. Kein Wunder, denn pro Verhütungsgespräch bekommen sie von der Krankenkasse nur etwa vier Euro.

Dass die Pille so einen miserablen Leumund hat, liegt übrigens auch an dem menschlichen Bedürfnis, in allem ein übergeordnetes Muster zu erkennen. Wenn von 1000 Geimpften einer erkrankt, wird gleich der ganze Sinn in Frage gestellt. Man nennt das Apophänie. Überhaupt: Ohne die Pille nimmt man noch viel mehr zu. Über neun Monate hinweg nämlich im Schnitt zwischen neun und 18 Kilo.

 

Alles Liebe,
Paula