In der vergangenen Woche habe ich über Abtreibungen berichtet und die katastrophale Gesetzeslage speziell in den USA dazu. Aber ich möchte auch über die andere Seite der Medaille schreiben, nämlich Fehlgeburten.  Fehlgeburt ist ein monströses Wort, es klingt nach absolutem Scheitern. Was es natürlich nicht ist. Es passiert einfach. Und meist hat Nichts und Niemand daran Schuld.

Die Ehefrau des Schauspielers Alec Baldwin hat kürzlich auf Instagram über den fehlenden Herzschlag ihres Embryos gesprochen und die daraus resultierende Trauer über den Verlust des Kindes. Das deutsche Model Marie Nasemann hat daraufhin ebenfalls über ihre eigene Fehlgeburt berichtet und mich hat es bestürzt, festzustellen, wie wenige Frauen mit anderen Menschen über diese Erfahrung sprechen. Schmerz miteinander zu teilen, macht ihn erträglicher. In guten wie in schlechten Tagen gilt nicht nur, wenn man geheiratet hat, sondern ebenso für Freunde und Familie, meine ich.

Fehlgeburten sind keine Seltenheit

Wissenschaftlich spricht man erst ab der 12. Schwangerschaftswoche von einer Fehlgeburt. Alles, was davorliegt, ist ein so genannter Abort. Für die werdenden Eltern ist es natürlich irrelevant, wann genau eine Hoffnung nicht in Erfüllung geht und wie sie korrekt genannt wird. 

Eine fehlgeschlagene Schwangerschaft ist keine Seltenheit. Man schätzt, dass 30 bis 40 Prozent aller befruchteten Eier die ersten Wochen nicht überleben. Manche gehen unbemerkt ab, andere haben bereits einen Namen von den werdenden Eltern bekommen und verabschieden sich in einem Tränenmeer. Allgemein gilt die Regel, dass ab der 12. Woche die Chancen ziemlich gut stehen und man darum erst ab diesem Zeitpunkt die frohe Kunde verbreiten sollte.

Die Gewöhnlichkeit des Worst Case schmälert natürlich nicht im geringsten die Trauer, die Menschen empfinden, wenn sich ein sehnlicher Wunsch nicht erfüllt. Aber auch wenn die Angelegenheit sehr privat ist, halte ich es für wichtig, die Trauer darüber mit anderen zu teilen. Weil sich gemeinsam alles leichter tragen lässt.

Es ist wichtig darüber zu reden

Ich habe die Enttäuschung selbst erlebt, als sich ein Ei trotz anfänglichem Herzschlag plötzlich nicht mehr weiterentwickelt hat. Wie es sich anfühlt, mit von Hormonen angespannten Brüsten und Freude im Bauch zum Arzt zu laufen, auf den Monitor zu blicken – und dann nichts. Das Entschuldigende im Blick des Arztes, der sich geniert, Bote solch übler Nachrichten zu sein, tat mir immer fast leid. Er kann ja nichts dafür. Ein Arzt hat mir, als es das zweite Mal passiert, gesagt: „Die Seele wurde wahrscheinlich für jemand anderen gebraucht.“ Ich fand das immer sehr tröstlich, diese Seele, die einfach nicht an uns verteilt werden konnte, weil jemand anderes sie dringender gebraucht hat. Die Trauer habe ich liebevoll mit meinen Freunden geteilt und sie dann loslassen können. Das wünsche ich mich für alle Eltern. Dass sie aus der Erfahrung vor allem das Gefühl mitnehmen können, dass sie von Menschen umgeben sind, die Schmerz wie Glück mit ihnen teilen mögen. Bis dann eines Tages genau die richtige Seele den Weg zu einem findet.

 

Alles Liebe,
Paula