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Ein Jahr gibt es diese Kolumne schon, und was für ein Jahr das war! Auch heute ist, genau wie damals, Weltfrauentag. Hier in Berlin, wo ich lebe, ist heute ein gesetzlicher Feiertag. Dass es Frauen gibt, ist natürlich allein schon ein Grund zu feiern, aber vor allem ist dieser Tag (wie das ganze Jahr) dafür da, daran zu erinnern, dass es keinen Grund gibt, Frauen und Männer unterschiedlich zu behandeln, bezahlen und zu würdigen.

In letzter Zeit sind viele Dinge geschehen, die die Ungerechtigkeiten und den Missbrauch an Frauen ans Licht gezerrt haben. Der Fall Harvey Weinstein zum Beispiel zeigt uns, dass Frauen auch in den feinen Etagen aus Machtbedürfnis heraus missbraucht werden – aber auch, dass es Frauen gibt, die diese Behandlung selbst zu einem Deal machen (Ich schlafe mit ihm, er gibt mir einen Job). Über beide Seiten dieser Medaille müssen wir sprechen, um eine Entwicklung zu erreichen, die nachhaltig ist.

Frauen haben das Recht darauf, gleich behandelt zu werden

Wir müssen darüber reden, wer wie viel bekommt und warum der Mann meist immer noch mehr bekommt für den gleichen Job. Wir Frauen müssen verstehen, dass wir ein Recht darauf haben, auch hier gleich behandelt zu werden und dafür einzustehen. Das ist nicht dreist, nicht zickig, sondern gerecht.

Wir müssen darüber reden, ob Frauen nur unter bestimmten Umständen vorzeigbar sind – die Fluggesellschaft Virgin Atlantic hat gerade die Rock- und Makeup-Pflicht für Flugbegleiterinnen abgeschafft. Sicher, es geht ja nur um ein bisschen Schminke, könnte man sagen. Tatsächlich geht es aber um viel mehr. Nämlich um die Freiheit, sich entscheiden zu können, wie man sich präsentiert. Egal ob mit Schminke, egal ob dick oder dünn, jung oder alt, einbeinig oder zweibeinig. Und dennoch liebenswert zu sein. Denn das einzige Parameter, das gelten darf, ist jenes, ob man sich wie ein guter Mensch benimmt oder nicht. Schminke kann nicht retten, was arschlöchig ist und ich frage mich häufig, welchen Einfluss die ganzen Schminkinfluencer auf junge Mädchen haben. Werden sie verstehen, dass Makeup nicht den Wert eines Menschen bestimmt? In meiner ersten Kolumne habe ich einen Satz geschrieben, den ich einmal als Jungredakteurin zu meinem Redakteur gesagt habe, als ich über den Weltfrauentag schreiben sollte: „Obacht! Ein Lippenstift ist eine Waffe!“ Tatsächlich muss ein Lippenstift  immer als Zeichen der Stärke, nicht als Insignie des Gefallenwollens getragen werden.

Weltfrauentag:Ein Fortschritt der Menschheit

Überhaupt ist das Gefallenwollen der größte Gegner der wirklichen Gleichberechtigung. Das betrifft Beziehungsführung, Sex, Business und den Gebrauch von Transportgeräten gleichermaßen. Wenn jede Frau die faire Heldin in ihrer eigenen Lebensgeschichte wird, dann, und erst dann sind wir ganz nah dran an dem, was wir uns alle wünschen. Und dann ist der Weltfrauentag vor allem ein Tag, der uns zu dem verholfen hat, was irrtümlich schon häufig festgestellt worden ist: Ein Fortschritt der Menschheit.

 

Alles Liebe!
Eure Paula