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Es gibt viele Dinge, die ich gut kann. Ordnung halten gehört leider nicht dazu. Ich bin eine ausgemachte Häufchenbildnerin, wie ein Pferd, das ständig äppelt, nur dass hinter mir Klamotten liegen bleiben, Bücher und natürlich Belege, die ich irgendwann dringend brauche und nicht wiederfinde. Nicht wieder aufzufindende Belege machen einen Großteil meines persönlichen Unwohlseins aus, und ich hoffe auf eine gute Fee, die kommt und mir den Mist abnimmt. Es soll ja Leute geben, die Spaß an Zetteln haben.

Man muss auch mal im männlichen Bereich des Lebens aussortieren

Was die Klamotten betrifft, so häufe ich strikt in „Geht noch mal“, „Geht nochmal, ist aber die falsche Saison“ und „Muss in die Waschmaschine, aber ich bin zu müde, den Deckel des Wäschekorbs zu heben“.  Ungefähr alle fünf bis sieben Tage kriege ich dann einen Rappel und räume auf, aber die Tage dazwischen sind nicht schön. Um das Problem langfristig zu beheben, habe ich natürlich auch die Sendung von Marie Kondo angesehen, danach radikal ausgemistet (ich plane eine Charity-Veranstaltung in Berlin, falls jemand Lust auf meine Klamotten hat) und bin in schrecklich melancholischen Weißt du nochs versunken, zum Beispiel „Weißt du noch, als dir dieser winzige BH noch gepasst hat“.  Darüber kam mir dann der Gedanke, dass man eigentlich auch im männlichen Bereich des Lebens mal aufräumen könnte, zum Beispiel bei all den Leichen, die man so über die Jahre ansammelt und mitschleppt. In meinem Wäschekörbchen habe ich beim Ausmisten ein Höschen in Größe 36 gefunden, dass ich 1991 gekauft habe, um meinen allerersten Freund an Land zu ziehen. Besagter Mann erschien mir die Idealbesetzung für mein Leben und auch als ich nach anderthalb Jahren feststellte, dass er nur passen würde, wenn mein Traum wäre, auf dem Dorf in einer Doppelhaushälfte zu leben (nichts dagegen, aber nichts für mich), habe ich das Höschen, einmal getragen, aus Sentimentalitätsgründen aufbewahrt. Jahrelang war ich überzeugt, dass wir einfach noch miteinander befreundet sein MUSSTEN, habe mit seiner Mutter telefoniert, zum Geburtstag gratuliert und eine Menge Energie in etwas gesteckt, dass mich im Grunde meines Herzens gar nicht interessiert hat. Ich habe das Höschen, weiße Seide, nun endlich entsorgt und bin wirklich erleichtert.

Liebe soll einem zusätzlich Energie geben

Ich glaube, dass es Sinn macht, den partnerschaftlichen Bereich ebenso zu kuratieren wie den Kleiderschrank. In meinem Podcast höre ich ja viele Geschichten der Hoffnung, die dann in Hoffnungslosigkeit umschlagen. Lasst uns doch hier auch mal aufräumen. Warum soll man zum Beispiel Herzzeit in jemanden investieren, der nur freundlich ist, wenn ihm nachts besoffen die Einsamkeit in die Knochen kriecht? Solche Menschen sind nicht für dich gemacht und sie werden sich auch nicht ändern und nein, es lohnt nicht, darauf zu warten, dass sie sich in den Griff kriegen. Hier lässt sich Marie Kondos Sprüchlein „Does it spark joy?“, weckt es Glücksgefühle, doch ganz trefflich anwenden. Wenn eine Person mehr Unglück als Glück in euer Leben bringt, dann solltet ihr euch von der Person innerlich wie äußerlich trennen. Gerade für Singles, ob auf der Suche oder nicht, ist das ein guter Leitfaden. Man muss nicht leiden, um geliebt zu werden. Liebe soll etwas sein, dass einem zusätzliche Energie gibt, Glücksgefühle verursacht und einen hüpfen lässt. Egal, ob für einen Tag oder für ein ganzes Leben.

Alles Liebe
Eure Paula