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Tripper, Chlamydiose, Genitalherpes

 Was man über sexuell übertragbare Geschlechtskrankheiten wissen muss  

Krank durch Sex: Vor allem bei ungeschütztem Verkehr kann man sich mit Krankheitserregern infizieren. Hier erfährst du, welche Geschlechtskrankheiten häufig vorkommen und welche Symptome sie hervorrufen. Außerdem erklären wir, wann du einen Arzttermin vereinbaren solltest und wie du dich vor Tripper, Chlamydiose & Co. schützen kannst.

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Was versteht man unter Geschlechtskrankheiten?

Als Geschlechtskrankheiten bezeichnet man sexuell übertragbare Krankheiten. Dafür gibt es zwei englische Begriffe: STDs (sexually transmitted diseases) oder STIs (sexually transmitted infections). Die Erreger können Parasiten, Bakterien, Viren oder Pilze sein. Weitergegeben von Mensch zu Mensch werden sie durch sexuellen Kontakt - vaginal, anal oder oral - beim Austausch von Körperflüssigkeiten wie Scheidensekret, Sperma, den Flüssigkeitsfilm der Darmschleimhaut oder (Menstruations)-Blut, die die Krankheitserreger enthalten.

Selbst ohne Sex ist es möglich, sich zu infizieren: Gonokokken im Speichel beispielsweise können beim Küssen in den Mund des Gegenübers gelangen und eine oropharyngealen Gonorrhö ("Rachen-Tripper") auslösen.

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  • 01:44 Min
  • Ab 12

Welche Geschlechtskrankheiten kommen am häufigsten vor? Und wie machen sie sich bemerkbar?

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steckten sich 2021 täglich mehr als eine Millionen Menschen weltweit mit STDs an. Welche Geschlechtskrankheiten laut WHO weltweit am häufigsten vorkommen und welche Symptome sie mit sich bringen, kannst du dieser Liste entnehmen:

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Trichomoniasis

Dabei handelt es sich um die weltweit am häufigsten auftretende STD mit rund 156 Millionen Neuinfektionen pro Jahr. Die Erkrankung des Urogenitaltraktes geht von einem Geißeltierchen namens "Trichomonas vaginalis" (auch "Trichomonas urogenitalis" genannt) aus, das sich an die Schleimhäute heftet.

Symptome bei ihr: Die einzelligen Parasiten verursachen Entzündungen der Vagina und der Harnröhre. Und die äußern sich meist durch Rötungen und Schwellungen, Brennen und Juckreiz sowie Schmerzen beim Wasserlassen und beim Sex. Nicht selten macht sich auch gelblich-grüner, schaumiger Scheidenausfluss bemerkbar, der unangenehm nach Fisch riecht.

Symptome bei ihm: Es kann zu leichtem Brennen beim Wasserlassen und beim Samenerguss, Juckreiz im Genitalbereich und eitrigem Ausfluss aus der Harnröhre kommen. Oftmals aber haben Männer keine deutlichen Symptome, sodass sie zu unwissenden Überträgern der Krankheit werden.

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  • 22.11.2022
  • 14:22 Uhr

Chlamydiose

Es ist diejenige STD, die in Deutschland am häufigsten vorkommt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht von rund 300.000 Neuinfektionen pro Jahr aus. Die Übeltäter sind Chlamydien, gramnegative Bakterien. Das Tückische an ihnen: In vielen Fällen bleiben sie unbemerkt, da sie keine oder nur leichte Beschwerden machen. Unbehandelt jedoch kann eine Chlamydien-Infektion schwere Folgen haben und bei beiden Geschlechtern unter anderem zu Unfruchtbarkeit führen. Wenn Symptome auftreten, dann diese:

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Symptome bei ihr: Juckreiz untenrum, gelblicher und klebriger Ausfluss, verstärkter Harndrang, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, Zwischenblutungen, Blutungen beim oder nach dem Sex, Unterbauchschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber

Symptome bei ihm: Starker Harndrang, Druckgefühl und Brennen beim          Wasserlassen, Unterbauchschmerzen, Hautreizungen an der Penisspitze, (eitriger) Ausfluss aus dem Penis, Schwellungen und Schmerzen an den Hoden

Gonorrhö

Bei der bakteriellen Infektionskrankheit befallen Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) die Schleimhäute von Harn- und Geschlechtsorganen. Wird Anal- oder Oralsex praktiziert, können auch der Enddarm beziehungsweise Mund und Rachen betroffen sein. Und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Erreger über die Hände in die Augen gelangen (etwa durch Reiben) und eine Bindehautentzündung verursachen.

Umgangssprachlich wird die STD als "Tripper" bezeichnet. Der Begriff geht auf das niederdeutsche Wort "drippen" zurück, das so viel wie "tropfen" bedeutet. Er spielt auf das markanteste Symptom der Krankheit an: den tropfenweise austretenden Eiter.

Symptome bei ihr: Neben dem grünlich-gelben Ausfluss bemerken Frauen oft ein Brennen beim Wasserlassen. Noch häufiger als eine Harnröhrenentzündung kommt eine Gebärmutterhalsentzündung vor. Im Fall einer Eileiterentzündung können sich Unterbauchschmerzen und Fieber einstellen. Langfristige Folgen sind – ähnlich wie bei einer Chlamydien-Infektion – Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaften und chronische Unterbauchschmerzen.

Symptome bei ihm: Typisch ist eine Harnröhrenentzündung mit grünlich-gelbem Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen. Das vor dem morgendlichen Wasserlassen austretende Sekret bezeichnen Mediziner:innen als "Bonjour-Tröpfchen". Mögliche Komplikationen: Entzündungen der Prostata und der Nebenhoden sowie Unfruchtbarkeit.

Syphilis

Verursacht wird die Geschlechtskrankheit durch ein schraubenförmiges Bakterium: "Treponema pallidum". Es dringt durch kleinste Läsionen der vaginalen, analen oder oralen Schleimhaut in den Körper ein - ebenso wie durch verletzte Hautstellen. Die Bakterien sind hoch ansteckend: Sex mit einer akut an Syphilis erkrankten Person zieht in etwa 30 Prozent der Fälle eine Infektion nach sich.

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Symptome bei ihr: Die Krankheit verläuft in Stadien. Zu Beginn zeigt sich eine (schmerzlose) Schwellung an der Eintrittsstelle, das Knötchen bildet sich an den Schamlippen, am Scheidenvorhof, an der Klitoris oder am Gebärmutterhals. Oft schwellen auch die umliegenden Lymphknoten an. In späteren Stadien haben sich die Erreger im gesamten Körper ausgebreitet, und dann kann es nicht nur zu Hautausschlägen kommen, sondern auch zu lebensgefährlichen Entzündungen von Gefäßen und Organen.

Symptome bei ihm: Das besagte Knötchen entsteht an der Eichel oder der Penisfurche. Abgesehen davon nimmt eine Syphilis bei Männern den gleichen Verlauf wie bei Frauen.

HPV-Infektion

Sie wird durch humane Papillomviren (HPV) ausgelöst, die die Epithelzellen der Haut und verschiedener Schleimhäute infizieren. Derzeit sind über 200 verschiedene HPV-Typen bekannt. Infektionen mit Hochrisiko-Typen können bestimmte Krebsarten wie Gebärmutterhals- oder Analkrebs zur Folge haben, Zellveränderungen lassen sich nur durch entsprechende Untersuchungen erkennen. Bei Infektionen mit Niedrigrisiko-Typen können Warzen entstehen. Feigwarzen im Genitalbereich machen sich folgendermaßen bemerkbar:

Symptome bei ihr: Flache, stecknadelkopfgroße Knötchen (Papeln) im Scheiden- und/oder Analbereich, die hautfarben, rötlich, bräunlich oder grau-weiß sein können. Oft liegen sie dicht aneinander oder gehen ineinander über. Schmerzhaft sind Feigwarzen in der Regel nicht, manchmal jedoch rufen sie ein Brennen oder Jucken hervor. An den betroffenen Hautstellen kann es zudem zu leichten Blutungen kommen.

Symptome bei ihm: Knötchen an der Vorhaut, am Penisschaft und/oder im Analbereich. Ansonsten zeigen sich bei betroffenen Männern ähnliche Symptome (siehe oben) wie bei HPV-infizierten Frauen.

Hepatitis B

Die Leberentzündung geht auf das gleichnamige Hepatitis B-Virus zurück. Die Krankheit verläuft höchst unterschiedlich: Bei bis zu zwei Drittel der Infizierten treten keine oder nur geringe Krankheitsanzeichen auf, bei etwa einem Drittel kommt es im Schnitt zwei bis vier Monate nach der Ansteckung zu Beschwerden. In fünf bis zehn Prozent der Fälle entwickelt sich eine chronische Hepatitis B, die zu Leberzirrhose und -krebs führen kann.

Symptome bei ihr und ihm: Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag, leichtes Fieber. Geht die Infektion mit einer Gelbsucht einher, färben sich Haut und das Weiß der Augen gelb, der Kot verliert an Farbe, der Urin wird dunkler.

Genitalherpes

Die dafür verantwortlichen Herpesviren werden durch Schleimhautkontakt übertragen. Typ 1 bringt man mit dem Lippenherpes in Verbindung, Typ 2 dagegen lässt sich im Genitalbereich nachweisen. Und es ist doppelt brenzlig: Lippenherpes kann man an Scheide, Penis und Po weitergeben und umgekehrt kann Genitalherpes auf den Mund- und Rachenraum überspringen. Wer einmal Genitalherpes gehabt hat, kann ihn immer wieder bekommen.

Symptome bei ihr: Brennende, juckende und schmerzende Bläschen mit wässrigem Inhalt an den Schamlippen, an der Scheide oder am Gebärmutterhals, mitunter auch am Gesäß oder an den Oberschenkeln. Weitere Anzeichen für eine Herpes-Infektion können Schmerzen beim Wasserlassen, Kopf- und Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und geschwollene Lymphknoten in der Leiste sein.

Symptome bei ihm: Bläschen am Penis, an der Vorhaut oder am Hodensack. Von den weiteren Symptomen (siehe oben) sind Männer gleichermaßen betroffen wie Frauen.

HIV-Infektion

Das HI-Virus (Human immunodeficiency virus) schädigt oder zerstört bestimmte Zellen des Immunsystems und schwächt die Körperabwehr. Ohne geeignete Therapie können dadurch Infektionen, die bei gesunden Menschen harmlos verlaufen, für Infizierte lebensbedrohlich werden.

Eine unbehandelte HIV-Infektion mündet nach einer meist mehrjährigen Latenzphase in der Regel in AIDS (acquired immunodeficiency syndrome). Das Syndrom stellt das Endstadium einer HIV-Infektion dar und ist gekennzeichnet durch das Auftreten bestimmter Infektionskrankheiten und bösartiger Tumore. Nach Schätzungen des RKI waren in Deutschland 2020 rund 91.000 Menschen mit HIV infiziert, an den Folgen von AIDS starben im gleichen Jahr knapp 300 Menschen.

Symptome bei ihr und ihm: Frühe Symptome ähneln denen der Grippe. Im Lauf der Zeit können unter anderem Gewichtsverlust, Durchfall und Nachtschweiß auftreten. In einem späteren Stadium kommt es oft zu Pilzbefall, Lungenentzündungen und Tumoren.

In unserer Liste haben wir Symptome beschrieben, die auf die jeweilige Geschlechtskrankheit hinweisen können beziehungsweise typisch für sie sind. Allerdings können bei den einzelnen STDs auch andere Symptome auftreten. Und es ist auch möglich, dass manche der gelisteten Symptome im individuellen Fall gar nicht auftreten. Im Zweifel solltest du daher immer einen Arzt aufsuchen und dich untersuchen lassen.

Verdacht auf Geschlechtskrankheit: Wann du zum Arzt gehen solltest

Falls du entsprechende Symptome feststellst, bist du bei Gynäkolog:innen oder Urolog:innen an der richtigen Adresse. Sie finden mithilfe von Blickdiagnose, Abstrich, Urin-, Stuhl- oder Bluttest heraus, ob und welche Krankheitserreger vorhanden sind. Bakterielle Infektionen werden in der Regel mit Antibiotika behandelt. Und auch bei Parasiten und Viren stehen Medikamente zur Verfügung.

Heilbar allerdings sind nicht alle Geschlechtskrankheiten: Bei einer HIV-Infektion beispielsweise kann eine antiretrovirale Therapie lediglich die Vermehrung des Virus stoppen und den Ausbruch der Krankheit um viele Jahre verhindern, manchmal sogar gänzlich. Bei Pilzinfektionen helfen Antimykotika.

Und noch etwas: Immer mit der Ärztin oder dem Arzt abklären, ob der Partner oder die Partnerin mitbehandelt werden muss.

Wie kann man sich vor Geschlechtskrankheiten schützen?

Kondome bieten Schutz vor vielen Geschlechtskrankheiten, aber nicht vor allen und auch nicht zu 100 Prozent. Denn STDs werden nicht ausnahmslos über die Genitalien oder den Enddarm übertragen, sondern einige auch über Hautgeschwüre oder -verletzungen. Außerdem können zahlreiche Erreger von STDs prinzipiell jeden Haut- und Schleimhautbereich eines Menschen infizieren. Oralsex wird "safer" mit Lecktüchern, die für Vulva oder Anus gedacht sind. Beim klassischen Blowjob schützt ein über den Penis gezogenes Kondom bestmöglich. Und: So wie jede:r eine eigene Zahnbürste haben sollte, sollte man auch Sex-Spielzeug nicht gemeinsam benutzen.

Regelmäßige Tests und Untersuchungen können zwar eine Ansteckung nicht verhindern, aber dafür manch anderes. Durch Früherkennung besteht die Chance, eine STD im Anfangsstadium entdecken und behandeln zu können - bevor sie möglicherweise größeren Schaden anrichtet. Zudem läuft man im Fall einer Infektion nicht Gefahr, andere unwissentlich anzustecken. Denn dann gilt: Sexpause einlegen, bis die Infektion behandelt und verschwunden ist.

Für einzelne Erreger werden Screenings angeboten, bei denen auch ohne Symptome getestet wird. Frauen unter 25 beispielsweise können sich einmal jährlich auf Chlamydien checken lassen – die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Und dann ist da noch der Piks: Gegen Hepatitis B und HPV gibt es Impfungen. Eine dänische Forschergruppe arbeitet derzeit an einem Impfstoff gegen Chlamydien.

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