#metoo, #TimesUp, #NeinheißtNein – wie viele Hashtags, Bewegungen und Aufklärungsdebatten soll es noch geben, bis alle Menschen wissen, wo die Grenze zwischen flirten und sexueller Nötigung liegt? Eine Studie aus den USA schockiert zutiefst, denn Männer und Frauen scheinen sich bei dem Punkt, wann Sex einvernehmlich ist, nicht einig zu sein. Nicht mal annähernd.

Ein Beispiel gefällig? Die Hälfte aller Männer erwartet Sex, wenn eine Frau nach der Party mit nach Hause kommt. Doch das ist nicht alles: Ein Drittel aller Männer werfen Frauen vor, dass Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe nur dadurch entstehen, dass die betroffenen Frauen den Sex im Nachhinein einfach bereuen würden.

Männer sehen ein Nein als Herausforderung an

An dieser Stelle müssen wir kurz einmal die Absurdität dieser Gedankengänge verdeutlichen: Frau trifft auf Mann. Frau geht mit Mann nach Hause. Frau geht mit Mann ins Bett. Frau begibt sich auf dem Walk of Shame und überlegt sich, oha, ich Schlampe, der Typ war nicht mal heiß. Frau geht zur Polizei und zeigt Mann an. Die Alternative: Frau trifft auf Mann. Frau geht mit Mann nach Hause. Frau geht mit Mann ins Bett. Frau begibt sich auf dem Walk of Shame. Frau ruft beste Freundin an und berichtet über Mann, der nicht mal heiß war. Frau und beste Freundin lachen drüber. Ernsthaft, welche Variante ist realistischer?

Kurz ein paar Fakten zur Studie, damit sich die Gemüter etwas beruhigen können: Studenten der Harvard Graduate School of Education und der Harvard Kennedy School of Government haben die Sex-Studie durchgeführt. 1.200 junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren wurden befragt. 1200 Befragte machen zwar noch keine Prognose aus, wie schlecht es um die sexuelle Selbstbestimmtheit im 21. Jahrhundert wirklich bestellt ist. Aber selbst wenn die Hälfte der Befragten Männer sind, also insgesamt 600 Männer teilgenommen haben und davon immer noch 24 Prozent der Meinung sind, dass sie Frauen zum Sex überzeugen und gar überreden müssen, dann sind das immer noch 144 Männer zu viel! Und ja, das war eine 1A Dreisatz-Rechnung, obwohl ich eine Frau bin. Schluss mit den Vorurteilen.

Wenn einer sich auszieht, ist Sex immer die Konsequenz?

Zurück zur Studie: 27 Prozent aller Männer denken, dass es okay ist, ungefragt mit einer Frau zu schlafen, wenn sie ihre Kleidung bereits ausgezogen hat! Nacktheit = Sex. Logisch. Nicht. Jeder sechste Mann denkt sogar, dass es keinen sexuellen Übergriff darstellt, wenn beide Beteiligten betrunken waren. Als ob Alkohol ein Freifahrtschein für alles Not und Übel der Welt wäre!

Aber Respektlosigkeit und falsche Einstellungen gehen in beide Richtungen. Auch Frauen wurden bei der Studie befragt und leider teilen auch 11 Prozent der Frauen die Auffassung, dass es in Ordnung sei, ungefragt mit einer nackten Person zu schlafen. Das sind zwar deutlich weniger als bei den Männern, aber leider auch nicht 0 Prozent. Und 30 Prozent der Frauen erwarten ebenfalls Sex, wenn der Mann mit zu ihnen nach Hause kommt. Immerhin noch 5 Prozent der Frauen denken, es ist keine sexuelle Nötigung, wenn beide betrunken sind. Auch hier muss die Null stehen. 

Viele Frauen wehren sich nicht einmal gegen die absurden Einstellungen und Nötigungen der Männer, wie die Studie zeigt. Fast jede dritte Frau hatte ungewollt Sex, obwohl sie zuvor Nein gesagt hatte. Und zwar weil der Mann beharrlich darauf bestand und es weiter versucht hat.

Diese Zahlen sind echt schockierend. Wir brauchen den Hallo-Wach-Effekt. Sexuelle Übergriffe sind strafbar. Alkohol ist keine Entschuldigung. Verunsicherung ist keine Entschuldigung. Nacktheit ist keine Entschuldigung. Und da wären wir wieder bei #NeinheißtNein und #metoo und #TimesUp. Und alle, die es immer noch nicht verstehen, lesen sich bitte Paragraph 177 im Strafgesetzbuch durch.

Die kompletten Ergebnisse der Studie: http://confi.co/research-executive-summary-2016/

Wenn du Opfer sexueller Nötigung oder Gewalt bist und etwas dagegen tun möchtest, dann melde dich beim Hilfetelefon