Stars & Style

Albtraum Einheitsgrößen

Albtraum Einheitsgrößen

Einheitsgrößen ignorieren die Realität und machen alle gleich. Was nach Freiheit klingt ist im Grunde nichts weiter als eine klug versteckte Mode-Diktatur. Eine Stilkritik.

18.10.2013 14:01 Uhr
Einheitsgrößen
Eine Passform für alle? Was zunächst praktisch klingt, ist jedoch alles andere als vorteilhaft. © STYLIGHT

Frauen definieren sich gerne über einzelne Zahlen oder Buchstaben. Ich bin eine L, du bist eine M, ich wäre so gerne eine S. Dabei hängt die Lösung aller Probleme bereits an den Kleiderstangen großer Modeketten. Einheitsgrößen erobern den Markt und suggerieren: „Alle Menschen sind gleich, unsere Elasthan-Leggings beweisen das.“ Das ist natürlich Quatsch. Nur, weil jemand dank maximalem Stretch-Anteil in ein Minikleid passt, heißt das noch lange nicht, dass er damit gut aussieht. Frauen haben unterschiedliche Figuren und das ist auch gut so - Einheitsgrößen scheinen hier nicht die ideale Lösung zu sein. Reiterhosen, Knubbel-Nasen und Sommersprossen sind die letzte Rebellion der Natur gegen den Menschen. Wer keine Flatrate beim Schönheitschirurgen hat, der muss mit kleinen Makeln leben.

>> Hier geht's zum Stylight Trend-Special!

Warum also braucht die Mode-Welt Einheitsgrößen? Diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Einheitsgrößen sind günstiger herzustellen. Sie können in Masse produziert werden, ohne dass es dafür noch echte Schneider oder gelernte Arbeiter braucht. Sie sind ein Produkt der Globalisierung. Ein Desaster im Kampf für faire Löhne und nachhaltige Textilien.

Eine Größe die am Ende niemandem passt

Zugegeben, die Idee der Einheitsgröße klingt verlockend. Keine verzweifelte Suche mehr nach dem letzten T-Shirt in der eigenen Größe. Kein schlechtes Gewissen, wenn die neue Jeans in Größe 40 plötzlich zwickt, obwohl man eigentlich 38 trägt. Dieses Hochgefühl hält an, bis man neben einer 16-Jährigen Bohnenstange an der Umkleide steht und sich fragt: Kann uns dieses Minikleid tatsächlich beiden stehen? Die Antwort: Nein, kann es nicht! Einheitsgrößen passen nur Einheitsmenschen. Dieser kleinen Masse an Sonderlingen, die weder zu groß noch zu klein, nicht pummelig und auch nicht dünn sind. Uneinheitliches hat hier keinen Platz. Dabei ist jede Frau eine Maßanfertigung.

Das „V Magazin“ machte in diesem Jahr die „One size fits all“ – Mentalität der Amerikaner zum Thema und ließ Plus-Size-Model Model Crystal Renn (Größe 42) gegen Jacquelyn Jablonski (Größe 32) im Style-Battle antreten. Das Ergebnis: Beide Frauen sehen vor der Kamera umwerfend aus – auch in den gleichen Klamotten. Diese hatten aber eben auch nichts mit den Elasthan-Monstern gemeinsam, denen man bei Modeketten begegnet, sondern wurden maßgeschneidert für die Körper der Models. 

Mode provoziert, das ist nichts Neues. Allerdings sollte sie ein Sinnbild sein für die Vielfalt an weiblichen Formen. Einheitsgrößen senden das falsche Signal. Sie versuchen uns weiszumachen, dass wir alle in ein Schema passen. Ein fragliches Konzept, das hoffentlich keine Zukunft hat. 

Teresa Harbeck

Teresa Harbeck arbeitet für STYLIGHT als Modejournalistin. Auch Teresa hat sich schon einmal von „one size fits all“ blenden lassen. Erst in der Umkleide merkte sie, dass der Rock hinten und vorne nicht passte. Seitdem kommen Teresa keine Einheitsgrößen mehr in die (Einkaufs-) Tüte.

Was hältst du vom neuen Trend „Einheitsgröße“? Wo gibt es mittlerweile Einheitsgrößen zu kaufen? Sag es uns in den Kommentaren!

Neueste News

Meistgesehene Videos

sixx auf Facebook

Die 17-jährige Elena und ihr jüngerer Bruder Jeremy haben ihre Eltern bei einem schweren Autounfall verloren. Die Teenager kämpfen mit dem Verlust...

Mehr lesen