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Es sind die typischen Themen wie Abseits, Handspiel und Rote Karte, bei denen frau sich nicht zu diskutieren traut und Sprüche wie „du kennst dich doch eh nicht aus!“ und „Du schaust Fußball nur wegen Mats Hummels!“ zu hören bekommt. Zweites mag vielleicht der Wahrheit entsprechen, dennoch sehen wir es als unseren Bildungsauftrag an, Fußballwissen zu verbreiten und das weibliche Geschlecht auf die bevorstehende WM vorzubereiten. Wir möchten mehr Frauen sehen, die keine Diskussion mit dem männlichen Geschlecht scheuen müssen und die Frage nach Abseits mit Leichtigkeit beantworten können. Deswegen erklären wir pünktlich zum Start der WM2014 die wichtigsten Regeln und anderes Wissenswertes aus dem Fußball.

Abseits Diese verwirrende Regel entstand bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Begründung war, es sei unfair hinter dem Rücken des Gegners ein Tor zu erzielen. Sie sollte verhindern, dass ein Spieler sich vor das gegnerische Tor platziert und auf den Ball wartet, um ihn dann einfach ins Tor zu schieben. Diese Logik hilft auch beim Verständnis. Ein Spieler steht dann im Abseits, wenn der Ball gerade im Anflug ist, er sich aber vor dem Ball befindet (in Richtung gegnerisches Tor), und sich auch außer dem Torwart kein Gegenspieler vor ihm befindet. Da die Abseitsregel bekanntermaßen hohe Mathematik ist, gibt es nicht nur diese eine Form. Es gibt unendlich viele Ausnahmen und Sonderregelungen. Diese Form ist jedoch die häufigste und da das ausreichen sollte, belassen wir es dabei und hoffen, dass das männliche Gegenüber sich damit zufrieden gibt. Wenn es nicht hilft kann man ja noch erzählen wann die Regel eingeführt wurde. 

Eckstoß, auch Eckball und kurz Ecke genannt, wird dann vom Schiedsrichter vergeben, wenn der Ball die dicke Linie hinter bzw neben dem Tor (auch Torlinie genannt) überquert und der Ball zuletzt von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft berührt wurde.

Das Freistoß-Spray Nach diversen Testrunden, kommt zum ersten mal das "Freistoß-Spray" zum Einsatz. Der Schiri markiert damit bei einem Freistoß die Position des Balls sowie die der Mauer (Wenn sich die Gegenspieler in eine Reihe stellen und die Hand schützend vor den Schritt legen) auf dem Rasen, damit beim Abstand nicht mehr getrickst werden kann. Der Schaum des Sprays verblasst nach ca. zwei Minuten wieder. 

Kriterien fürs Erreichen des Finales In der Gruppenphase, auch Vorrunde genannt, muss jeder innerhalb einer Gruppe gegen jeden spielen. Wie in der Bundesliga werden nach dem Spiel Punkte vergeben: Bei einem Sieg gibt es drei Punkte, bei einem Unentschieden einen und bei einer Niederlage null Punkte für das jeweilige Team. Die zwei erstplatzierten Teams erreichen das Achtelfinale. Wenn zwei oder mehrere Teams die gleiche Punktanzahl haben, entscheidet die Tordifferenz aus der Gruppe, wer weiterkommt. Danach zählt die höhere Anzahl der erzielten Tore. Wenn selbst das noch keine Entscheidung bringt, gilt der direkte Vergleich der beiden Teams (bei mehr als zwei Teams wird es dann noch komplizierter). Und wenn alles nichts hilft, entscheidet die FIFA per Los. Ab dem Achtelfinale gelten dann die Regeln des K.O.-Systems. Sollte es in der K.O.-Runde nach 90 Minuten keinen Gewinner geben, gibt es zunächst eine Verlängerung von 2 mal 15 Minuten. Wenn es nach 120 Minuten immer noch Remis steht, dann folgt das gefürchtete Elfmeterschießen. 

Gelbe/Rote Karte  Eine gelbe Karte ist schnell vergeben. Sie ist gleichzusetzen mit einer Verwarnung. Sie wird vom Schiedsrichter für unsportliches Verhalten gezückt. Darunter fällt alles, was das Spiel verzögert oder den Schiedsrichter/andere Spieler behindert. Auch wenn wir weiblichen Fans uns freuen, wenn ein Trikot während des Jubels fällt, kann sogar das mit einer gelben Karte bestraft werden. An sich nicht weiter schlimm, nur führt die zweite gelbe Karte in einem Spiel zu einer Gelb/Roten-Karte und somit zu einem Platzverweis. Wenn ein Spieler im Laufe eines Turniers zwei Gelbe Karten einsammelt, kommt es zu einer Gelb-Sperre und er darf nicht für das folgende Spiel eingesetzt werden. Ein Beispiel: Während der WM 2006 wurden Fußballer, die im ersten und im zweiten Vorrundenspiel jeweils eine Gelbe-Karte bekamen für das dritte Spiel in der Gruppenphase gesperrt. Zu verdanken ist diese Regel angeblich Walter Frosch, der während der Saison 1976/77, sage und schreibe 19 Gelbe Karten in 37 Spielen einsammelte. Während der WM 2010 wurde die Regel nochmal ein wenig geändert. Gelbsperren sind ab jetzt nach dem Halbfinale nicht mehr möglich, damit kein Spieler das Finale oder das Spiel um Platz drei verpasst.

Handspiel Nein, nicht nur wenn die Hand eines Spielers den Ball berührt, gilt es als Handspiel und wird mit Pfiffen und einem Freistoß - im Strafraum sogar mit Elfmeter - für die gegnerische Mannschaft bestraft. Das absichtliche Einsetzen des kompletten Armes abwärts der Achsel gilt hier als Foul. Das berühmteste Handspiel kam von Diego Maradona, 1986 in Mexiko, im Viertelfinale gegen England. Er selbst nannte es liebevoll „die Hand Gottes“.

Elfmeter Das ist der Moment, wenn alle die Luft anhalten und die Hände über den Kopf verschränken. Es ist das Eins gegen Eins des Fußballs. Doch nur wenn innerhalb des Strafraums oder auch 16 Meter-Raum genannt, ein Handspiel oder ein Foul gepfiffen wird, kommt es zu einem Elfmeter. Dazu gehört jede Aktion eines verteidigenden Spielers, die eine Torchance vereitelt. Es ist jedoch wichtig, dass der Schiedsrichter das Vergehen rechtzeitig bemerkt und pfeift.

Der amtierende Weltmeister ist Spanien. 2010 gewannen sie in Südafrika gegen die Niederlande 1:0 in der Verlängerung. Deutschland durfte sich damals nur über den dritten Platz freuen. Unser Thomas Müller, war jedoch mit 5 Toren und drei Vorlagen (einem Pass der zum Tor führt) einer der Top-Torschützen dieser Meisterschaft. Er wurde dafür mit dem „Bronzenen Schuh“ gekürt. Funny Fact: Zum ersten Mal seit 1978 standen zwei Mannschaften im Finale, die noch nie Weltmeister geworden waren. Und zum ersten Mal gewann eine Mannschaft, die im Laufe des Tuniers eine Niederlage einstecken musste.

Der erste Schiedsrichter hat absolute und alleinige Entscheidungsgewalt. Doch ACHTUNG, bei der WM 2014 hat er erstmals technische Unterstützung. Das System „GoalControl 4D“ (bitte auswendig lernen, damit können Frauen garantiert punkten) meldet, ob der Ball hinter der Torlinie war und ob somit ein Treffer erzielt wurde. Der Chip im Ball sendet die Entscheidung dann direkt an die Uhr des Schiedsrichters. Ein sehr nützliches Gadget, da der Schiri keine Entscheidungen widerrufen darf, selbst wenn er festgestellt hat, dass es sich um eine Fehlentscheidung handelte. Auch legt er die Nachspielzeit fest – Zeit, die zusätzlich zu den 45 Minuten einer Halbzeit gespielt werden darf, wenn es währenddessen zu Spielverzögerungen kam. 

Gegner die Deutschland fürchtet Angeordnet sind diese mit steigender Tordifferenz (also die Summe der Tore die Deutschland gegen diese Mannschaften schoss minus die Tore die Deutschland einstecken musste): Frankreich (+1), Argentinien (0), Italien (-12), Brasilien (-15) und !! England (-25). Vor dem Halbfinale können unsere Jungs auf keinen dieser Mannschaften treffen. Dort jedoch auf Frankreich und Argentinien. Im Finale ist jedoch alles möglich. Gefürchtetster Gegner und ebenso WM-Favorit ist diesmal Brasilien. 

Auswechseln Das passiert, wenn der Trainer einen Spieler vom Spielfeld nimmt, weil er müde/verletzt ist, oder nicht macht was er soll und stattdessen ein anderer Spieler „eingewechselt“ wird. Nur bis zu sechs Auswechselungen sind pro Spiel, bedeutet drei pro Team, zulässig. Der Trainer muss vor einer Auswechselung jedoch den Schiedsrichter darüber informieren und der neue Spieler darf erst die Außenlinie (das Spielfeld) betreten, wenn der andere das Feld verlassen hat. Es müssen sich übrigens immer mindestens 7 und maximal 11 Spieler pro Mannschaft auf dem Spielfeld befinden, damit ein Spiel fortgesetzt werden kann.

Namen die man kennen muss Nein, Lothar Matthäus ist nicht nur berühmt, weil er Sätze wie „I hope we have a little bit lucky“  von sich gibt, und Models seinen Nachnamen schenkt, um deren Weg als It-Girl zu ebenen. Eigentlich ist Lothar eine echte Fußballlegende. Neben Franz Beckenbauer, hat er die meisten Spiele für die deutsche Nationalmannschaft gespielt. In 150 Spielen, zwischen 1980 bis 2000, erzielte er für uns 23 Tore. Zunächst wurde er im Mittelfeld eingesetzt, dann als Libero. Dicht auf seinen Versen ist Miroslav Klose, der bereits bei 132 Spielen auf dem Platz stand und mit seinem 69. Länderspieltor, Gerd Müller vor kurzem als Torschützenkönig ablöste. Gerd Müller, alias „Der Bomber der Nation“, sollte man als echter WM-Fan ebenfalls kennen. Nach der WM 1974 trat dieser aus der Nationalelf aus. 

Text: Yasmin Azizi