- Bildquelle: STYLIGHT © STYLIGHT

Umkleidekabinen sind ein Ort der Verschwörung und grauenhaften Mobbings – meist gegen sich selbst. Sie reflektieren jede Delle und machen aus Orangenhaut einen Mondkrater, einen Fall für Google Earth – nur das hier nicht mehr gezoomt werden muss. Für keinen anderen Ort stehen wir stundenlang an, obwohl wir eigentlich gar nicht hinwollen. Kurzum: Umkleidekabinen sind zwei Quadratmeter Hölle auf Erden – samt windigem Vorhang. 

Vorzimmer zur Shopping-Hölle

Problemfall Nummer eins, das Licht. Selbst beim Zahnarzt ist die Beleuchtung besser, als in den meisten Umkleidekabinen. Neongrelle Leuchten strahlen einen von oben an, als sei zwischen Jeans und Paillettentop der Heilige Geist in einen gefahren. Statt Erleuchtung folgt Ernüchterung.

Die Jeans, die im Fashion-Magazin noch so toll aussah passt nicht. Die Haut ist gerötet, blass und die Haare fliegen, dank maximaler statischer Aufladung, in alle Richtungen. Man hat mit dem Shoppen schon abgeschlossen, überlegt gerade eine Exit-Strategie, schon rollt Problem Nummer zwei an – die Verkäuferin. Die stellt fest, dass die Jeans „eine Nummer größer ganz fantastisch aussehen würde“ und nötigt einen sogar noch dazu ein weiteres „sehr modernes, pfiffiges Modell aus Stretch“ zu probieren. Am Ende kauft man nichts, fühlt sich aber hundeelend. 

Albtraum Schulsport

Die erste Umkleiden-Neurose entwickeln die meisten während der Schulzeit. Nach dem Sportunterricht, trifft man sich verschwitzt, ausgepowert und hormongesteuert, um über Körpermaße und neuste Diäten zu quatschen. Man merkt schnell: Es ist eben nicht alles schöne gleich schön und den Babyspeck, den Vati immer so süß fand, findet man selbst plötzlich nur noch zum Heulen. In Schul-Umkleiden wird viel gelacht – meistens auf Kosten eines Dritten. Schul-Umkleiden haben aber eben auch etwas Verschwörerisches. Beim Shoppen jedoch gibt es keine Beschönigungen. Hier sind Umkleidekabinen das letzte Schlachtfeld der modernen Frau.

Die Umkleidekabine als Horrorkabinett

Im nächsten Laden erinnert der Spiegel an ein mittelalterliches Jahrmarktskabinett. Der eigene Hintern als Hauptattraktion. Umkleidekabinen machen so manches Shopping-Erlebnis zum Horrorszenario! Während man online sogar an virtuellen Umkleidekabinen bastelt, tut sich offline nicht viel. Marketingstrategen arbeiten an ausgeklügelten Systemen zur Präsentation der Ware, nur um der Kundin beim Probieren dann doch die Lust am Shoppen zu Verderben. Bezeichnend ist übrigens: Macht man sich im Netz auf die Suche nach der luxuriösesten, besten Umkleidekabine der Welt findet man: jede menge schlüpfrige Tipps, was man sonst so in Umkleidekabinen machen kann.

Shopping der Zukunft?

Dabei liegt die Lösung aller Umkleiden-Phobien auf der Hand: Zwei Quadratmeter mehr Platz, Lufterfrischer, leicht gedimmtes Licht und aufmerksame Beraterinnen. Angelina Jolie würde schließlich auch wie eine Dampfwalze aussehen, wenn man sie von allen Seiten mit Halogen ausleuchtet. Statt einem kleinen Hocker mit Schlagseite, ein bequemer Sessel für den quengelnden Freund. Dann meckert auch niemand rum, wenn aus dem Shopping-Sprint ein Marathon wird. Kann das so schwer sein? Ein Tag in der Fußgängerzone zeigt, anscheinend schon!

Teresa Harbeck: STYLIGHT

Teresa Harbeck ist Modejournalistin bei STYLIGHT. Deshalb geht sie am liebsten online shoppen. Allerdings ohne virtuelle Umkleidekabine. Teresa kann sich nämlich nur eine Sache vorstellen, die sie noch schlimmer findet als eine echte Umkleidekabine – eine Körpervermessung via Webcam.

Wo steht die beste Umkleidekabine Deutschlands? Wo die schlechteste? Sage es uns in den Kommentaren!