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Pünktlich zur Berlin Fashion Week diskutiert die Modewelt den Trendfaktor unserer Hauptstadt. Was macht den typischen Berlin-Look aus und wie stylt man ihn erfolgreich nach?

Berlin ist keine klassische Modestadt. Hier gibt es keine Schickeria wie in München, keine Ateliers wie in Paris und keinen Garment District wie in New York. Berlin ist eine infrastrukturelle Katastrophe und ständig pleite. Dabei braucht unsere Hauptstadt weder einen funktionierenden Flughafen, noch reiche High-Society-Ladys, um die kreativste Modemetropole Europas zu sein. 

Die großen Stars der Berliner Mode- und Fashionszene sind die zahlreichen Paradiesvögel und Hipster, die den Look Berlins erst berühmt gemacht haben. Doch wie sieht der Berlin-Style aus? Wir haben vier Prototypen stylischer Hauptstadtbewohner herausgesucht und allen Klischees über den Berlin-Style freien Lauf gelassen: 

Friedrichshain: Die Vintage-Mädchen

Diese Hauptstadt-Spezies verfügt über ein ausgeprägtes Herz für die Vergangenheit. Sie tummeln sich rund um Berlin-Mitte, shoppen ausschließlich Second-Hand und kennen sich mit dem Stil aller Epochen aus. Dieser Berlin-Style verlangt ein ausgeprägtes Zeitmanagement und lässt sich nur schwer mit einem Vollzeitjob vereinen. Deshalb sind die Vintage-Mädchen hauptsächlich Studentinnen, Barfrauen oder haben ihre eigene Second-Hand-Boutique.

Ihr Stil: Lässt man die 80er-Jahre-Jünger einmal aus dem Spiel, spezialisieren sich die Vintage-Mädchen vorwiegend auf die 50er und 60er Jahre. Soll heißen: Hier ist jede Menge Pin-up und Lippenstift im Spiel. Aufwendig gestylt im Hemdblusenkleid zu echten Nylonstrümpfen und Mary-Janes zelebrieren sie den Berlin-Style vergangener Zeiten. 

So macht man’s nach: Das ideale Date-Outfit. Trag ein Kleid aus dem Vintage-Laden um die Ecke und pimpe es mit ein paar mädchenhaften Accessoires auf. Ein süßes und trotzdem individuelles Outfit, mit dem man nicht nur Berliner Männern den Kopf verdreht.

Prenzlauer Berg: Die Start-up Geeks

Die Start-Up-Geeks sind nach Berlin gekommen, um mitzumischen. Geld haben sie noch keines aber große Ambitionen. Mit einem Businessplan in der Tasche und jeder Menge kreativer Ideen pilgern sie in die trendige Hauptstadt, um das nächste große Ding zu starten. Ihr Style ist eigentlich keiner aber trotzdem in der Hauptstadt allgegenwärtig.

Ihr Stil: Die Nerdbrille ist nur ein Klischee? Weit gefehlt! Sieht man sich in Berliner Kleinunternehmen und Gründerbüros um, stellt man fest: Ohne Hornoptik auf der Nase geht nichts. Dazu trägt der Geek lockere Print-Shirts. Auf Modenschauen und hippen Partys stehen die Start-Up-Geeks am Rand und nippen an ihren Getränken – nach Hause gehen sie trotzdem mit den schönsten Mädels im Club.

So macht man’s nach: Zwing deinen Liebsten, Bruder, Chef, besten Freund sich mindestens drei Tage nicht zu rasieren, verpasse ihm eine Brille und ein Sakko zum Freizeitlook. Für alle Frauen gilt: Nicht nachmachen, außer man muss sich als IT-Nerd im Silicon Valley behaupten. 

Berlin-Mitte: Die klassischen Hipster

Wer wirklich noch ein echter Hipster ist, lässt sich schwer sagen. Die Liebe zu Oberlippenbärten und Fair-Trade-Jutebeuteln hat längst den Mainstream erreicht. Den „echten“ Hipster erkennt man nur noch an ein paar wenigen Merkmalen. Er spricht nicht deutsch, auch wenn er aus dem Schwarzwald kommt, trinkt das Kultgetränk Club Mate und überstrapaziert das Wort „Individualität“.

Ihr Stil: Des Hipsters liebstes Accessoire sind seine zahlreichen Tattoos. Die kombiniert er mit einer Jeansjacke in dunkler Waschung und Röhrenjeans. Weibliche Hipster tragen runde Sonnenbrillen zu Oversize-Shirts und High-Waist-Jeans – der ultimative Berlin-Style-Klassiker.

So macht man’s nach: Obwohl der Hipster-Look von vielen belächelt wird – Sie setzen Trends! Ein Beispiel ist der Midi-Rock. Zuerst wurde er von hippen Berliner Gören auf der Straße getragen, bevor er auch den Mainstream erreichte. Ein Midi-Rock in Bordeaux zu einem Schlapphut im Seventies-Style und beiger Seidenbluse – hip, hipper, Berlin-Style.

Kreuzberg: Galeristen, Künstler und andere Intellektuelle

Berlin ist die Stadt mit der höchsten Galeriedichte Deutschlands. Hier treffen sich Künstler und Galeristen aus der ganzen Welt. Die Kunst an der Spree provoziert gerne und bietet sowohl dem jungen Maler mit Hinterhofatelier wie auch dem Star der Szene eine Plattform.

Ihr Stil: Ausgewaschene Jeans und Oberlippenbärte findet man hier eher weniger. Die Berliner Kunstszene gibt sich puristisch. Extravagante Schnitte, wenig Farbe und skandinavischer Minimalismus regieren Vernissagen und Ausstellungen und stehen für den kreativen Berlin-Style.

So macht man’s nach: Der Schwarz-Weiß-Trend diesen Sommer ist der ideale Einstieg. Der Look: Eine gerade geschnittene Hose in Schwarz zu einem weiten Oberteil aus Seide in Weiß, dazu eine Statement-Kette in Silber und auffälliges Schuhwerk – am besten mit Plateau. Dieser Berlin-Style funktioniert auch gut im Büro, solange man es nicht übertreibt.

Das neue Berlin hat seine Pubertät gerade überwunden. Es ist erst 23 Jahre alt und auf der Suche nach seinem Platz in der Welt. Die Vielfalt an Lebensstilen macht es einzigartig, hier darf jeder so sein wie er will – Punks, Electrojunkies und Travestiekünstler, alle sind willkommen. Die Modestadt Berlin profitiert von so viel Freiheit und Individualität. Der Berlin-Style regiert die Modewelt und ist der heimliche Trend für dieses und wahrscheinlich auch noch nächstes Jahr!

Welcher Prototyp bist Du? Hast auch du den Berlin-Style drauf? Oder favorisierst du eine ganz andere Modehauptstadt in Deutschland? Sag es uns in den Kommentaren!

Teresa Harbeck

Teresa Harbeck arbeitet für die Fashion-Community STYLIGHT. Sie ist der Prototyp „klassischer Hipster“ – auch wenn es ihr schwer fällt das zuzugeben. Sie trinkt gerne Club Mate, trägt runde Sonnenbrillen und ihr Haar zum Berliner Dutt. Allerdings: Ein echter Hipster ist man nur dann, wenn man abstreitet einer zu sein und das tut Teresa nicht.